Wien - Ein seit zwei Jahren per Haftbefehl gesuchter Wiener Holocaustleugner kann nach wie vor ungehindert seine Pamphlete österreichweit per Post und Internet versenden. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner jüngsten Ausgabe. Im Vorjahr erst habe Wolfgang Fröhlich von seinem Versteck aus das Pamphlet "Die Gaskammernlüge" herausgebracht. Das Schriftstück könne sehr einfach bezogen werden. Die Polizei gehe davon aus, dass sich Fröhlich in Österreich befindet. Der Wiener Staatsanwalt Karl Schober: "Es ist anzunehmen, dass Fröhlich Zugriff auf die Post hat, die an die Adresse geschickt wird." Fröhlich sammelt Spenden Fröhlich rufe dazu auf, Spenden auf ein Konto bei einer Wiener Bank zu überweisen. Laut "profil"-Recherchen sei von dem Konto noch vergangene Woche abgebucht worden. "Wenn wir das Konto sperren, dann eröffnet er eben ein anderes", so Schober. Suche In einem im Internet veröffentlichten Bericht vom Juni 2002 brüste sich Fröhlich damit, von seinem Fluchtort aus, 17.000 Postsendungen versandt zu haben. Der Leiter des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wolfgang Neugebauer sagt: "Es drängt sich der Verdacht auf, das da nicht mit allen Mitteln vorgegangen wird." Laut Polizei sei es zu umfangreichen Überwachungsmaßnahmen gekommen. Gert Zander, Abteilungsleiter bei der Polizeidirektion Wien dazu: "Wir schöpfen alle unsere Möglichkeiten aus, um ihn zu finden." Verfahren gegen Widerbetätigung Der 50-jährige Dipl.-Ing. Wolfgang Fröhlich tauchte im Mai 2000 unter. Gegen ihn ist ein Verfahren wegen NS-Wiederbetätigung beim Landesgericht Wien anhängig. Fröhlich leugnet in seinen Pamphleten die Ermordung von Juden in den Gaskammern der nationalsozialistischen Konzentrationslager. 1994 wurde er aus der FPÖ ausgeschlossen, weil er als Wiener Bezirksrat von der "multikulturellen Bastardisierung der Gesellschaft" gesprochen hatte. (APA)