Ein "Indianer kennt keinen Schmerz" und Mädchen sollen "mütterlich und hilfsbereit" sein. So oder ähnlich wurde Generationen von Männern und Frauen von Kindesbeinen an vorgegeben, welche Rolle sie einzunehmen hätten. "Die Anerziehung von Geschlecht hat entscheidende Auswirkungen auf unser Leben", sagt Helga Grafschafter vom Frauenreferat des Landes Kärnten. "Aber Anerzogenes kann im Gegensatz zu Angeborenem verändert werden – wenn man oder frau will."Aus diesem Grund hat das Kärntner Frauenreferat unter anderem im Dezember 2000 gemeinsam mit den Niederlanden und Spanien das EU-Projekt "Changing Gender Approach" initiiert. Konkretes Ziel war die Förderung des sozialen Dialogs in Europa aus der Perspektive gesellschaftlich benachteiligter Menschen und das Schaffen von Verständnis für andere Kulturen. "Und die Benachteiligung von Frauen unterscheidet sich da nicht viel von jener anderer Kulturen", sagt Grafschafter. In dem Projekt wurden auch ganz neue Herangehensweisen an das Thema Chancengleichheit in der Familienarbeit entwickelt. Durch die andere Brille schauen Die Ergebnisse aller drei Länder wurden kürzlich bei der internationalen Abschluss-Konferenz in Nijrneggen bei Amsterdam präsentiert. Während Niederlande mit dem Verein "Vrouwen Alliantie" für die Gesamtabwicklung des Projektes verantwortlich war und Spanien ein Curriculum für einen Gender-Studiengang erstellt hatte, führte Österreich in den letzten eineinhalb Jahren Gender-Seminare für MultiplikatorInnen durch - mit imaginativen und kommunikativen Übungen, Rollenspielen und Körperübungen: "Frauen und Männer sollten damit Gelegenheit haben, einmal durch die Brille des anderen Geschlechts zu blicken und dadurch ein gegenseitiges Verständnis und neue Methoden im Umgang miteinander finden", erklärt Grafschafter. "Das Gender Training ist darauf ausgerichtet, neuen Input zu geben und starre, festgefahrene Lebensbilder und Beziehungen wieder neu zu beleben." Mittelamerikanische Idee Das Grundkonzept für die Trainings stammt aus Nicaragua, wo sie das Bildungszentrum "Cantera" schon seit Jahren erfolgreich durchführt. In Österreich wurden sie in Zusammenarbeit mit dem Forschungs- und Beratungszentrum Aspis der Universität Klagenfurt und "The World of NGOs" veranstaltet – dreimal für Frauen, aber nur einmal für Männer. "Die Trainings für Männer mussten selbst organisiert und bezahlt werden - und es fand sich in Kärnten keine zuständige Stelle, die das gestützt hätte", bedauert die Leiterin des Frauenreferats. Teilweise liege das auch an der Schwierigkeit, festgefahrene Strukturen und Muster in ländlichen Gebieten aufzubrechen. So käme es etwa immer noch vor, dass Frauen heimlich zu Veranstaltungen und Kursen kommen müssten. Um die Gender-Thematik besser vermitteln zu können und mehr Verständnis dafür zu schaffen, fließen Teile des Trainings deshalb auch in andere Kurse des Frauenreferats ein, sagt Grafschafter: "Wir veranstalten zum Beispiel IT-Kurse mit Computergutschein für Frauen im ländlichen Bereich, wo wir die Gender-Problematik auch zur Sprache bringen und Lösungen aufzeigen." Handbuch für Trainerinnen Die Inhalte der Gender-Trainings kommen demnächst auch als kostenloses Handbuch heraus, um "leichte Übungen direkt praktizieren zu können und den sozialen Dialog wieder in Gang zu setzen." Das Handbuch, das auch Teil des Changing Gender Approach-Projekts ist, soll vor allem TrainerInnen und MultiplikatorInnen eine Hilfe bei der Weitervermittlung des Themas sein und allgemein verstärkt Interesse dafür wecken. (isa)