Wien - Erneut als "unakzeptabel" bezeichnete Nationalratspräsident Heinz Fischer (S) am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" die Aussagen von Volksanwalt Ewald Stadler (F) zu Nationalsozialismus und Besatzung nach 1945. Er sei "fassungslos" gewesen, als er den Wortlaut vor sich gesehen habe. Für Jene, für die die Befreiung der Konzentrationslager das Überleben ermöglicht habe, sei die Befreiung von 1945 "nichts Angebliches" gewesen, betonte Fischer. Zudem sei Österreich vor 1945 von der Landkarte ausgestrichen gewesen. Man habe unter einem totalitären Regime gelebt, es habe Rassengesetze gegeben. "Nach 1945 ist Österreich wieder als selbstständiger Staat entstanden", vom Rathaus und dem Parlament hätte nicht mehr die Hakenkreuzfahne, sondern wieder die rot-weiß-rote Flagge geweht. Verharmlosung des Nationalsozialismus Befragt, ob er für den Rücktritt Stadlers als Volksanwalt eintrete, betonte Fischer, dass er und auch niemand anderer über die verfassungsrechtliche Befugnis verfüge, Stadler abzusetzen. Er kritisiere die Äußerungen aber "auf das Schärfste" und "es wäre gut, wenn jemand, der so über unser Land und unsere Geschichte denkt, zurücktritt". Fischer pflichtete außerdem Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer (V) bei, der von einer Verharmlosung des Nationalsozialismus gesprochen hatte. Diese Aussage sei "richtig". Die Frage, ob das nach dem Verbotsgesetz strafbar sei, "ist wieder ein anderes Kapitel". (APA)