Madrid/Wien - Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) sieht sich in der Ausländerpolitik im Vergleich zu anderen europäischen Politikern "mittlerweile als Softie". "In der ganzen Europäischen Union werden in der Einwanderungs- und Asylpolitik Ideen angewandt, die ich vor Jahren lanciert habe", sagt Haider in einem Interview mit der spanischen Tageszeitung "El Pais" (Sonntagsbeilage): "Ich bin weder rechts, noch links, ich bin vorne. Ich kennzeichne die Themen, die die anderen danach übernehmen."Lage im Nahen Osten Die Lage im Nahen Osten bezeichnet Haider als "explosiv". Dort könne "ein Weltkrieg beginnen". Deshalb wäre Europa gut beraten, eine unabhängige Nahost-Politik zu betreiben und sich nicht "von den Nordamerikanern mitreißen lassen". Die USA seien wegen der Terroranschläge des 11. September "nicht legitimiert", in der Welt "zu bestimmen, wer gut ist und wer schlecht". Deutsche Einwanderungspolitik Den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnet Haider als "nicht gerade einen ideenreichen Politiker. Ich glaube, er würde eine bessere Figur machen als Moderator eines Unterhaltungsprogramms im Fernsehen." Seine, Haiders, Aussagen zur Einwanderungspolitik seien "nicht härter als wenn Schröder sagt: 'Für jene, die herkommen und nicht arbeiten wollen, gibt es nur eine Lösung: Raus, und das schnell'". EU- Erweiterung Eine EU-Erweiterung, die eine Erhöhung der Beitragszahlungen Österreichs mit sich bringe, "werden wir auf keinen Fall akzeptieren", so Haider. Als weitere Bedingung nennt der FPÖ-Chef die Übergangsfristen für Arbeitskräfte sowie die Agrardirektzahlungen, deren Ausweitung auf die neuen Mitgliedstaaten "unfinanzierbar" wäre. "Jedenfalls bin ich praktisch überzeugt, dass sie (die Erweiterung, Anm.) verschoben wird", so Haider. Benes-Dekrete In der Frage der Benes-Dekrete erneuert Haider seine Veto-Drohung gegen Tschechien und fordert eine "Entschädigung" für die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, so wie sie Österreich an die Zwangsarbeiter des Naziregimes geleistet habe. "Deshalb haben wir das Recht, den Tschechen zu sagen: 'Liebe Nachbarn, auch ihr müsst eure Geschichte bereinigen.' (...) Aber die Nachbarn sind nicht bereit es zu tun, und sie glauben, dass es ihnen sogar die Menschenrechte und alle europäischen Werte missachtend gelingen wird, sich in diese Gemeinschaft einzuschleichen. Das wird nicht so sein." Europa Europa braucht nach Ansicht von Haider eine "Injektion von Demokratie", da diesem "sozialistischen Projekt" jegliche Bürgernähe fehle: "Die Linke hat vergessen, wie man Demokratie praktiziert. (...) Wir wollen ein Europa, in dem eine Verfassung die Partizipation der Bürger garantiert und dazu verpflichtet. Alles andere ist eine bürokratische Diktatur." EU-Gipfel Nicht zufrieden gibt sich Haider auch mit dem auf dem EU-Gipfel von Sevilla beschlossenen Aktionsplan zur Bekämpfung der illegalen Einwanderung. Man hätte ein "Maßnahmenpaket" beschließen sollen, das auch die Sozialhilfen für Immigranten festlegen würde und die Dauer der Asylverfahren begrenze. "Das einzig Positive ist, dass sie zumindest schon die Einwanderung als prioritäre Frage übernommen haben. Das ist ein Fortschritt", so Haider. Waffen-SS Angesprochen auf seine umstrittenen Äußerungen zur Verteidigung von Waffen-SS-Mitgliedern ("anständige Menschen"), betont Haider, "ich habe das selbe gesagt, was (der ehemalige deutsche Bundeskanzler Konrad) Adenauer einst im deutschen Parlament sagte". Man versuche "immer etwas damit zu machen, was ich sage. Wenn ich 'Guten Tag' sage, kommt jemand und sagt, das ist ein Ausdruck meiner faschistischen Beziehung zu Gott." Hitler-Attentäter Die Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944 will Haider auch auf Nachfrage von "El Pais" nicht als Helden bezeichnen: "Ich habe ihnen schon gesagt, dass es Leute waren, die in einem bestimmten Moment gewissen Mut hatten und ihr Leben riskierten."(APA)