Friedrichshafen - Sechs Tage nach der Flugzeugkatastrophe am Bodensee hat die Überführung der ersten Toten nach Russland begonnen. Etwa 20 der bisher gefundenen 69 Opfer sollten am Sonntagabend mit einer russischen Sondermaschine ausgeflogen werden, sagte ein Polizeisprecher in Friedrichshafen. Bisher konten 32 Tote identifiziert werden Bisher konnten 32 Tote eindeutig identifiziert werden. Die Suche nach den noch vermissten zwei der insgesamt 71 Absturz-Opfer dauerte unterdessen an. Noch keine neuen Erkenntnisse gab es zur Absturzursache. Die in der Kritik stehende Schweizer Flugkontrolle Skyguide reduzierte die Kapazität des von ihr kontrollierten Luftraums am Wochenende um 20 Prozent. Die am Sonntagmorgen in Moskau gestartete Sondermaschine landete am Nachmittag in Friedrichshafen und sollte gegen 18.00 Uhr zur Rückkehr in die russische Hauptstadt abfliegen. Von dort sollten die Toten dann in die Hauptstadt der Wolgarepublik Baschkortostan, Ufa, gebracht werden. Aus Baschkortostan stammten die meisten Opfer, unter ihnen zahlreiche Kinder und Jugendliche. Suche ging das ganze Wochenende über weiter Das ganze Wochenende über suchten erneut mehrere hundert Polizisten nach den noch zwei vermissten Opfern - allerdings zunächst weiter erfolglos. In die Suche wurde auch ein zunächst noch nicht durchsuchtes Gebiet einbezogen. Außerdem wurden Taucher in einem Weiher nahe dem Fundort verschiedener Wrackteile eingesetzt. Sie sollten in den kommenden Tagen den gesamten Grund des Weihers nach den beiden Vermissten sowie weiteren Wrackteilen absuchen. Die Bergungsarbeiten der großen Wrackteile der russischen Tupolew 154 und des Frachtflugzeugs vom Typ Boeing konnten am Sonntag abgeschlossen werden. In der Nähe des Absturzorts gedachten am Samstag Anwohner mit einem Trauermarsch der Opfer, am Sonntagabend sollte im Bereich der Absturzstelle ein Trauergottesdienst stattfinden. Bundespräsident Johannes Rau wollte sich laut Polizei bei einem Besuch im Bodenseeraum persönlich bei den Einsatzkräften über die Bergungsarbeiten informieren. Keine neuen Untersuchungsergebnisse Nach Angaben der Braunschweiger Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) vom Wochenende gab es zunächst keine neuen Hinweise zur Unfallursache. Erste Ergebnisse der Auswertung von Flugschreibern und Stimmenrekordern werden demnach für die kommende Woche erwartet. Die BFU hatte bei ihren Ermittlungen Fehler bei der privaten Schweizer Flugkontrollstelle Skyguide festgestellt. So hatte der Lotse die Tupolew-Besatzung erst 44 Sekunden vor dem Zusammenstoß mit der Boeing zum Sinkflug aufgefordert. Nach den Vorschriften hätte er aber spätestens 90 Sekunden vor einer absehbaren Kollission warnen müssen. Außerdem stellte die BFU technische Schwierigkeiten wie eine nicht funktionierende Telefon-Hauptleitung sowie ein nur eingeschränkt einsetzbares Radar fest. Skyguide reduziert Kapazitäten um 20 Prozent Die privat geführte Skyguide reduzierte als erste Konsequenz den von ihr überwachten Flugraum. Damit sollten die Fluglotsen nach dem Zusammenstoß der Maschinen entlastet werden, teilte Felix Hitz, der Chef des Skyguide-Führungsstabs, mit. "Die Fluglotsen sind nach der Katastrophe in einer großen Stresssituation," sagte Hitz der Schweizer Nachrichtenagentur SDA. Die in der Nacht von Freitag auf Samstag in Kraft getretene Verminderung soll für einen zunächst nicht benannten Zeitraum gültig bleiben. Der weltweite Dachverband der Fluglotsen IFATCA beklagte unterdessen die wachsende Belastung seiner Mitglieder. Allein in Kontinentaleuropa fehlten 2.000 Lotsen, sagte IFATCA-Präsident Marc Baumgartner der "Welt am Sonntag". Ursache hierfür sei auch der kommerzielle Druck, der von den Fluggesellschaften auf die Flugsicherung ausgeübt werde. (APA)