Silverstone - Der Machtkampf in der Formel 1 spitzt sich zu. Die Einführung einer Konkurrenzserie durch die Hersteller BMW, DaimlerChrysler, Fiat, Ford und Renault ab 1. Jänner 2008 ist seit Silverstone wieder wahrscheinlicher geworden. Am Rande des Großen Preises von Großbritannien am Sonntag wurden bei einem Treffen zwischen den GPWC-Direktoren (Grand Prix World Championship) und den Teamchefs offensichtlich weitere Fortschritte erzielt. Von einer "konstruktiven Sitzung" sprach der GPWC-Vorsitzende Jürgen Hubbert. Der DaimlerChrysler-Vorstand kündigte an: "Wir werden weitere Gespräche mit den Teams führen, um die Zukunft des Grand-Prix-Sports zu verbessern." Streitpunkt Vermarktungsrechte "Wenn sie sorgfältig darüber nachdächten, würden sie merken, wie sinnlos es wäre, etwas zu zerstören, das gut läuft", lautete die Reaktion von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (Montag-Ausgabe). Künftig wollen die Hersteller und die Teams, die ebenfalls eine Interessenvereinigung gegründet haben, an der Vermarktung der gesamten Rennserie verdienen. Sie wollen nicht wie bisher nur mit den Fernsehgeldern abgespeist werden. Mehreinnahmen sind auch dringend nötig, denn 2005 wird EU-weit die Tabakwerbung verboten - dann fehlen einigen Rennställen fast 40 Prozent des Budgets. Momentan gehören 75 Prozent der Formel-1-Vermarktungsrechte, die von der FIA für 100 Jahre an Ecclestone abgetreten worden waren, mehrheitlich drei Großbanken. 75 Prozent von Ecclestones Anteilen an der SLEC waren zuvor über Umwege in den Besitz der mittlerweile insolventen Kirch-Gruppe gelangt. "Wir müssen die Ruhe bewahren und in dieser Situation abwarten, was passiert", kündigte FIA-Präsident Max Mosley in der "Welt am Sonntag" an. Banken besitzen drei Viertel der SLEC Durch den Wechsel der Vermarktungsrechte ist eine Kündigung des Vertrages durch den Internationalen Automobil-Verband (FIA) möglich. "Darüber will ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht spekulieren. Fest steht: Wir werden die Entwicklung der ganzen Geschichte sehr aufmerksam verfolgen", erklärte Mosley. Für Ecclestone selbst sind die neuen Eigentumsverhältnisse kein Problem. "Man kann nicht alles haben. Kein Vorteil ohne Nachteil. Die Banken machen aber einen vernünftigen Eindruck", sagte der Brite. Der Formel-1-Chef glaubt dagegen, "dass mehr Gefahr von den Autoherstellern als von den Banken ausgeht". (APA/dpa)