Perchtoldsdorf - Das Sommertheater unterliegt ausweglos gewissen meteorologischen Entwürfen, die sich - selbst wenn der Regen "singen" sollte oder sich Regentropfen zu einem chorischen Rasselkonzert "herablassen" - Theatertönen gegenüber halsabschneiderisch verhalten. Ausgerechnet Horváth, den Totentrompeter, der seinen Figuren den allerletzten Ton schon im ersten einschrieb, setzen die Sommerspiele Perchtoldsdorf den Wetterkapriolen niederösterreichischer Sommerabende aus: Im Hof der örtlichen Burg lässt Intendant Wolfgang Löhnert Geschichten aus dem Wiener Wald spielen. Die neue Ära setzt auf "Schauspielertheater".

Allerdings: Jeder Star dort trägt in Form eines Mikrofon-Bömmels ein leibeigenes Verfremdungsinstrument mit sich. Und so kommt es, dass Branko Samarovskis privatwirtschaftliches Wehklagen (als brutaler Scherzartikelhändler) je nach Windrichtung so klingt, als würde Captain Kirk die Kommandobrücke im Lichtjahre entfernten Raumschiff zürnen.

Der alte Vater will nämlich nicht verstehen, dass er nicht nur in seinem Zauberladen Nischenprodukte führt, sondern sogar im eigenen Kind Marianne eines unterhält. Marianne (sehr gut: Gerti Drassl) ist anders. Sie will nicht heiraten, schon gar nicht den Fleischer Oskar (Karl Markovics). Und endet im Kampf um ein eigenes Leben (rhythmische Gymnastik!) als Go-go-Girl samt unehelichem Kind.

Regisseur Michael Sturmingers Ansatz, das Volksstück äußerlich in Filmbildern zu spielen, ist passabel. Im Dienst der Linearität aber (z. B. links endet eine Szene, rechts beginnt eine neue) verliert er dabei etliche Szenen aus den Augen. Ergebnis ist ein jeweils nur verknapptes Spiel, von dem man gern mehr gesehen hätte: Vera Borek als Dompteur-Baronin, Toni Slama als steifer Rittmeister, Erni Mangold als mordende Oma. Allen voran aber ein von der Regie nachgerade versteckter Karl Markovics. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.7.2002)