Wien - Die Analysten der Bank Austria Gruppe sehen für den Wiener Aktienmarkt weiterhin Aufwärtspotenzial. Zwar sei für das dritte Quartal, so der Chefanalyst des Bereiches Aktien, Alfred Reisenberger, nach dem leichten Schwächeanfall im zweiten Quartal mit einer Seitwärtsbewegung zu rechnen, in der Folgezeit sollte es dann aber wieder nach oben gehen. Bis Mitte nächsten Jahres sollte der Leitindex ATX wieder die 1300-Punkte-Marke erreichen.

Obwohl der ATX im zweiten Quartal um 3,6 Prozent gesunken ist, weist er im ersten Halbjahr 2002 noch immer ein Plus von neun Prozent auf, sagte Reisenberger. Damit habe er zumindest alle westeuropäischen Indizes hinter sich gelassen. Als Gründe für die gute Performance des ATX nannte er den Mangel an Technologieaktien - deren Vielzahl den Deutschen Aktienindex DAX nach unten gezogen hat - das Übergewicht an zyklischen Werten, attraktive Dividendenrenditen sowie die Ostfantasie. Österreich gelte als Tor zu Osteuropa. Anleger honorierten das höhere Wachstumspotenzial in Osteuropa und investierten verstärkt in Titel, die in dieser Region gut verankert seien, wie Erste Bank, BBAG, Mayr-Melnhof oder S&T.

Seitwärtsbewegung

Für bestenfalls eine Seitwärtsbewegung im dritten Quartal sprechen laut Reisen-berger ein Mangel an Unternehmensnachrichten in dieser Jahreszeit, die urlaubsbedingte Absenz vieler Investoren sowie die Erfahrung der letzten Jahre. Seit 1990 habe der ATX im dritten Quartal um durchschnittlich sieben Prozent nachgegeben.

Für die weitere Folge seien die Aussichten aber ausgesprochen günstig, meint der Chefanalyst Aktien der Bank Austria Gruppe. Die Unternehmensgewinne hätten im ersten Quartal mehrheitlich positiv überrascht.

Gute Ergebnisse

So hätten 18 von 27 Unternehmen ein besseres Ergebnis als erwartet vorgelegt und nur sieben ein schlechteres. Die Gewinnerwartungen blieben daher weiterhin ein zentrales Thema. Reisenberger setzt auch in Zukunft auf Zykliker und rät den Anlegern, sich von Technologieaktien weiterhin fern zu halten.

Auf der Empfehlungsliste der Bank Austria fungieren drei Titel als "Strong Buy": Telekom Austria, für die ein Kursziel von 12,1 Euro genannt wird, VA Tech mit dem Kursziel 42 Euro und Voestalpine mit der Kurserwartung von 48 Euro. Weitere sechs Papiere - Andritz, AUA, Böhler-Uddeholm, Palfinger, S&T sowie Wienerberger - empfiehlt die Bank zum Kauf. (gb/DER STANDARD, Printausgabe, 7.7.2002)