Wien - Kunst, auf der das Schild "Bitte nicht berühren" klebt, war nie sein Ding. Im Gegenteil: Josef Trattner ist einer, der daran glaubt, dass Kunst auch entsteht, weil Menschen Dinge nicht nur anstaunen, sondern sie ganz einfach benutzen.

Was genau sich der 47-jährige Steirer darunter vorstellt, kann man den ganzen Sommer über im Hof des Wiener Museumsquartieres nicht nur beobachten, sondern - viel besser - selbst ausprobieren: Trattner hat den Hof schaumgummimöbliert.

Würde man all die festen Schaumstoffquader, die von Erwachsenen und Kindern eifrig belegt, verschleppt, zerlegt, als Schwimmfloß, Hüpfburg oder Luftmatratze genutzt oder einfach bespielt werden, aneinander legen, gäbe das eine 160 Meter lange Schlange aus schwarzem, grauen und rotem Schaumstoff. Dass die Quader durch die Benutzung mitunter auch ihre Form verändern, weil Kinder ein bisserl an ihnen herumzupfen, stört den Künstler nicht: "Zum Ende der Aktion, im September, ergibt das dann eine interessante, weil autonom aus der starren Form der Quader gewachsene Skulptur."

Freilich: Ein paar Quader (die er selbst zu Sofa-Tisch-Kombinationen gestaltet hat) hält Josef Trattner für "besondere Anlässe" zurück. Mitunter taucht er nämlich - ohne Vorankündigung - mit einem ausrollbaren Kunstrasenteppich und ein paar seiner Schaumstoffsofas im großen Hof des Museumsquartieres auf und lädt Freunde und Passanten, aber auch den Kurator der Museumsquartier-Sommerbespielung Vitus H. Weh oder Museumsquartierchef Wolfgang Waldner zum Picknick.

Schließlich geht es ja darum, das Quartier mit Leben zu füllen - "und da nehme ich mir die Freiheit heraus, hier mein Wohnzimmer unter freiem Himmel aufzuschlagen". (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Printausgabe, 8.7.2002)