Los Angeles - Vom furiosen Verwirrspiel um den "Mann, der zweimal lebte" (Seconds , 1966) über den quälend langen Marathon, den Gene Hackman in French Connection II (1975) als New Yorker Drogenfahnder Jimmy Doyle im Hafen von Marseille zurücklegt, um seinen Erzrivalen zur Strecke zu bringen, bis hin zur Autoverfolgungsjagd in seinem vorletzten Kinofilm Ronin (1998), bei der Fahrzeuge unter der extremen Materialbelastung zu knirschen beginnen - die filmischen Bearbeitungsmöglichkeiten von (Real-)Zeit scheinen John Frankenheimer immer fasziniert zu haben.

Vielleicht auch deshalb, weil seine eigentliche Karriere hinter der Kamera - nach ersten Einsätzen als Kameramann für Trainingsfilme der US-Air-Force - in den 50er-Jahren beim Fernsehen startete, bei Live-Fernsehshows, die einen anderen, wendigeren Zugang verlangten als das vergleichsweise schwerfällige Medium Kino.

Angeblich eher wiederwillig wechselte der 1930 als Sohn eines Börsenmaklers geborene New Yorker in den 60er-Jahren schließlich - weil dieses Format zunehmend auslief - zum Film. Seine ersten Regiearbeiten waren Sozialdramen. Die Gefangenengeschichte The Birdman of Alcatraz (1962) erhielt gleich vier Oscar-Nominierungen - darunter eine für den Hauptdarsteller Burt Lancaster. Weit nachhaltiger in Erinnerung geblieben sind jedoch seine eigenwilligen, von formaler Extravaganz geprägten Politverschwörungsthriller: der großartige The Manchurian Candidate (1962), Seven Days in May (1964) oder eben der albtraumhafte Seconds.

In späteren Jahren gelangen dem Regisseur, der lange auch mit seiner Alkoholabhängigkeit zu kämpfen hatte, noch einige bemerkenswerte Arbeiten wie etwa die Fortsetzung von William Friedkins French Connection oder die Elmore-Leonard-Adaption 52 Pick-Up (1986). Sein Remake des Horrorklassikers The Island of Dr. Moreau mit Marlon Brando aus dem Jahr 1996 erlangte hingegen eher traurige Berühmtheit. Dafür erntete Frankenheimer in den 90ern einmal mehr für TV-Filme große Anerkennung und zahlreiche Auszeichnungen.

Laut Auskunft seiner Tochter ist John Frankenheimer am Samstag in einem Krankenhaus in Los Angeles an einem Schlaganfall gestorben. (irr/DER STANDARD, Printausgabe, 8.7.2002)