"Es ist ausgeschlossen, dass die AFP von privaten Unternehmen kontrolliert werden könne. In einem Wort, es wird keine Privatisierung der AFP geben." Dies erklärte die französische Kulturministerin Catherine Trautmann in Bezug auf ein umstrittenes Reformprojekt für die Agence France Presse (AFP), das unter anderem eine Kapitalöffnung vorsieht. Allerdings gestand Trautmann die Notwendigkeit ein, der Nachrichtenagentur die Möglichkeit zu geben, "Partnerschaften zu knüpfen". "Moderne, dauerhafte, unabhängige und weltoffene Agentur" Die Erneuerung der AFP bezeichnete die Ministerin am Dienstag vor den Abgeordneten der Nationalversammlung in Paris als eine "nationale Frage". Es komme dem Parlament zu, die Grundlagen für eine "moderne, dauerhafte, unabhängige und weltoffene Agentur" zu schaffen, so Trautmann. Eine Verspätung oder Verzögerung des Entwicklungsplans würde die Konkurrenzlage der Agentur "schwer komplizieren", betonte die Kulturministerin. Unabhängigkeit der Agentur in Gefahr" Das Reformprojekt von AFP-Geschäftsführer Eric Giuliy, das am 29. September vom Verwaltungsrat der Agentur genehmigt wurde, sieht zur Sanierung des krisengeschüttelten Betriebs eine Kapitalöffnung für öffentlich-rechtliche oder private Investoren vor. Die Belegschaft der Agentur hat bereits mehrmals mit Streiks gegen das Projekt protestiert, zumal es "die Unabhängigkeit der Agentur in Gefahr" bringe. Agentur mit Weltrang bleiben Den Bedenken schlossen sich neben den Gewerkschaften auch drei Regierungsparteien an, die Kommunisten, die Grünen und die "Bürgerbewegung" MDC des Innenministers Jean-Pierre Chevenement. Um eine Kapitalöffnung der AFP zu ermöglichen, müssen die gesetzlich geregelten Statuten der Agentur geändert werden. Giuily vertritt die Ansicht, dass nur eine tiefgreifende Reform es der AFP, die 2000 Angestellte und 165 Auslandsbüros zählt, erlauben kann, auch weiterhin eine Agentur von Weltrang zu bleiben. Das Reformprojekt, das zu einer Umsatzanhebung um 600 Mill. Franc auf zwei Mrd. Franc (304,89 Mill. Euro/4,19 Mrd. S.) bis 2004 führen soll, sieht überdies eine Verstärkung des Marketings, eine Anpassung der technischen Ausrüstung an die Erfordernisse des Internet, eine Aufwertung der Tätigkeit im Bereich der Fotografie, sowie eine Stärkung der Finanz- und Sportredaktionen vor. Geplant ist auch eine Ausdehnung der Tätigkeit auf den audiovisuellen Bereich. AFP verzeichnete im Vorjahr einen Umsatz von 1,3 Mrd. Franc (198 Mill. Euro/2,72 Mrd. S.) und rechnet für heuer mit 1,4 Mrd. Franc. (APA)