Wien - Bundespräsident Thomas Klestil hat am Montag die Aussagen von Volksanwalt Ewald Stadler (F) kritisiert, der das Nazi-Regime mit den Besatzungsmächten gleichgestellt und gemeint hatte, Österreich wäre 1945 nur "angeblich" befreit worden. "Jede Aussage, die eine Relativierung des Nazi-Terrors bedeutet, ist schärfstens abzulehnen". Alle Demokraten seien aufgefordert, "sich gegen solche Verfälschungen der Geschichte zur Wehr zu setzen", erklärte der Bundespräsident in einer Aussendung. Zum Rücktritt forderte Klestil den Volksanwalt aber nicht auf. Wörtlich heißt es in der Aussendung Klestils: "Jede Aussage, die eine Relativierung des Nazi-Terrors bedeutet, ist schärfstens abzulehnen und kann in der öffentlichen Diskussion keinen Platz haben. Ich habe wiederholt festgestellt und betone aus gegebenem Anlass erneut, dass Österreich 1945 von einem totalitären System befreit worden ist und eine demokratische Republik sowie ein Rechtsstaat wurde. Daran ändert auch die Tatsache der 10-jährigen Besatzung nichts, nach deren Beendigung Leopold Figl 1955 - nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages - erklären konnte: 'Österreich ist frei'. Ein Geschichtsbild wie jenes von Ewald Stadler entspricht in keiner Weise dem Grundkonsens der Zweiten Republik; alle Demokraten unseres Landes sind daher aufgefordert, sich gegen solche Verfälschungen der Geschichte zur Wehr zu setzten." (APA)