Wien - FPÖ-Chefin Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer hat die Aussagen von Volksanwalt Ewald Stadler (F) über das NS-Regime und Besatzungszeit zwar kritisiert, aber betont, dass es keine Rücktrittsaufforderung an Stadler geben werde. Im Radio-"Mittagsjournal" des ORF am Montag sagte Riess-Passer, sie halte die "Diskussion insgesamt für vollkommen überflüssig, sowohl die Aussagen Stadlers als auch die hysterischen Reaktionen darauf". Die FPÖ-Position zum 8. Mai sei klar, es handle sich um jenen Tag, "an dem das Terrorregimes des Nationalsozialismus in Österreich beendet wurde". Zur Frage einer möglichen Spitzenkandidatur Stadlers in Niederösterreich meinte sie, darüber habe man noch nicht diskutiert. "Nicht richtig" Die umstrittenen Äußerungen Stadlers sind laut Riess-Passer "nicht richtig". Es sei auch "nicht Linie der Partei". Das Selbstverständnis des 8. Mai 1945 sei, dass damit das NS-Terrorregime in Österreich beendet wurde. "Das ist in den Augen vieler Opfer des Nationalsozialismus selbstverständlich der Tag der Befreiung. Das heißt aber nicht, dass nach dem 8. Mai nicht auch Unrecht passiert ist, die Vertreibung der Sudetendeutschen". Allerdings sei der von Stadler gezogene Vergleich "historisch absolut falsch". Gegen "Hobbyhistoriker Sie würde sich auch von Führungsfunktionären der Partei wünschen, "sich nicht als Hobbyhistoriker zu betätigen, sondern sich für die Zukunft des Landes einzusetzen". Immerhin sei Stadler auch ein wesentlicher Autor des Parteiprogramms der FPÖ, in dem eine eindeutige Absage an jede Form des Totalitarismus enthalten sei, "klarer als in anderen Parteien". Kein Drängen auf Rücktritt - Volksanwalt nicht in der Verfügungsgewalt einer Partei Auf Konsequenzen für Stadler angesprochen sagte Riess-Passer, der Volksanwalt sei nicht eine Funktion in der Verfügungsgewalt einer Partei. Dies sei auch gut so. Außerdem sollte man Stadler insgesamt nicht Motive unterstellen, die falsch seien, "vor allem nicht von jenen Leuten, in deren eigenen Reihen (Rudolf) Edlinger sitzt, der im Nationalrat Sieg Heil gerufen hat, und es bis heute nicht der Mühe wert gefunden hat, sich dafür zu entschuldigen". Also wird es kein Drängen auf Stadler zum Rücktritt geben? - Riess-Passer: "Für mich die Sache dadurch aus der Welt, als Stadler eindeutig eine Klarstellung getroffen hat, wonach er nicht einmal im Traum daran denkt, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren oder zu verharmlosen. Das ist auch völlig richtig so". Sie selbst habe mit Stadler in der Angelegenheit noch nicht gesprochen. "Aber ich werde diese Woche ein Gespräch mit ihm führen." Die Frage einer Spitzenkandidatur Stadlers für die niederösterreichischen Landtagswahlen "werden wir mit den niederösterreichischen Freunden zum gegebenen Zeitpunkt erörtern". (APA)