Den Haag - Der wegen Kriegsverbrechen im Kosovo angeklagte frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic hat noch unmittelbar vor den NATO-Luftangriffen im März 1999 alle Warnungen vor militärischen Aktionen aus dem Ausland in den Wind geschlagen. Dies berichtete am Montag der frühere norwegische Außenminister Knut Vollebaek im Milosevic-Prozess vor dem UNO-Tribunal in Den Haag. In einem Telefongespräch kurz vor Beginn der Angriffe habe der Politiker in Belgrad auch Angaben Vollebaeks über Kosovo-Bauern, die mit Traktoren auf der Flucht seien, zurückgewiesen. "Er sagte, das seien Bauern bei einem Picknick", schilderte Vollebaek als Zeuge der Anklage. Der damalige Minister war zugleich turnusmäßig Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Auch sein Hinweis, dass die Bauern offensichtlich mit ihrer ganzen Habe unterwegs seien, habe Milosevic nicht beeindruckt. "Zu viel CNN" Zum Bericht Vollebaeks über Bauernhäuser von Kosovo-Albanern, die durch Serben in Brand gesetzt worden seien, habe Milosevic gesagt, dass er wohl an der Nase herumgeführt worden sei. In Wirklichkeit hätten Mitglieder der albanischen Kosovo-Befreiungsarmee (KLA) Stroh in Brand gesetzt, um die internationale Gemeinschaft irre zu führen. "Sie sehen zu viel CNN", habe Milosevic ihm noch gesagt, schilderte Vollebaek. Milosevic muss sich seit dem 12. Februar in Den Haag wegen Verbrechen im Kosovo verantworten. Im September soll auch über Anklagen zu den Konflikten in Kroatien und in Bosnien verhandelt werden. Der Ex-Präsident hat auf die Benennung eines Anwalts verzichtet und verteidigt sich selbst. (APA/dpa)