New York - US-Präsident George W. Bush will betrügerische Manager doppelt so lange ins Gefängnis schicken wie bisher möglich. Die Höchststrafe für bewusste Falschinformationen - eine bei Wirtschaftskriminalität häufige Anklage - soll auf zehn Jahre Gefängnis verdoppelt werden.Auch die Aktenvernichtung solle unter Strafe gestellt werden. Konzerne sollten zudem künftig verhindern, dass ihre Manager Kredite vom Unternehmen erhielten. Außerdem müssen die Firmenbosse künftig sämtliche Details bezüglich ihrer Gagen und Options-Pläne "in leicht verständlicher Sprache" im Geschäftsbericht erläutern, forderte Bush in einer Rede an der New Yorker Wall Street. Ferner will Bush eine spezielle Arbeitsgruppe ("Corporate Fraud Task Force") einrichten, die die Ermittlungen zu Wirtschaftsdelikten überwachen und dirigieren soll. Mehr Geld für die Börsenaufsicht Die schwer unter Beschuss geratene US-Börsenaufsicht SEC solle zudem 2003 zusätzliche 100 Mio. Dollar zur Erhöhung ihrer Schlagkraft erhalten. Vor kurzem hat die SEC eingeführt, dass Unternehmens- und Finanzchefs unter Eid schwören müssen, dass die Zahlen in ihren Bilanzen korrekt sind. Andernfalls drohen strafrechtliche Verfolgung und Gefängnisstrafen. Die neue Regel soll für rund 1000 US-Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 1,2 Mrd. US-Dollar gelten. Kritiker sagen, die SEC habe schon jetzt ein gigantisches Budget und mehr als 3000 Mitarbeiter, aber praktisch alle großen Bilanzierungsskandale der jüngsten Vergangenheit von Worldcom bis Xerox verschlafen. So wurde etwa der Skandal um die Analysen der US-Investmentbank Merrill Lynch, wo Aktien zum Kauf empfohlen wurden, die intern als wertlos galten, von einem New Yorker Staatsanwalt mit nur 15 Rechtsanwälten aufgedeckt. Unter Druck Zuvor war Bush selbst unter Druck geraten, als seine Rolle bei einem umstrittenen Aktienverkauf Anfang der Neunziger erneut von US-Medien aufgegriffen wurde. Die Mehrzahl der Amerikaner unter- stellt Bush laut Umfragen einen Schmusekurs gegenüber Großkonzernen, die oft, wie etwa Enron, als Wahlkampffinanciers auftraten. Für die Demokraten, die Bush immer eine zu große Nähe zum Big Business vorwarfen, sind die Firmenskandale Wahlkampfmunition. (miba, Reuters, AFP, DER STANDARD, Printausgabe 10.7.2002)