Barcelona - Aus Kritik an der Geschäftspolitik des Schweizer Pharmaherstellers Roche (Basel) haben Mitglieder der unabhängigen Gruppe "Act up" (Paris/New York) am Montag den Stand des Unternehmens auf der Welt-Aidskonferenz in Barcelona besetzt. Zuvor hatte Roche zusammen mit der US-Firma Trimeris Ergebnisse zu einer neuen Klasse von Aids-Medikamenten vorgestellt. Die Gegner werfen Roche vor, bedürftigen Aids-Kranken in den armen Ländern das neue Medikament vorzuenthalten. Beide Firmen hatten am Montag ausdrücklich erklärt, "T20" nicht in den Entwicklungsländern vermarkten zu wollen. Die Substanz mit dem Namen "T20" verhindert nachweislich das Andocken der Aidsviren an die Immunzellen des Menschen und behindert so die Infektion. Die Mitarbeiter von Roche zogen sich nach der Aktion zurück und waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Verletzt wurde nach Angaben des Sicherheitspersonals niemand. Die beiden Firmen hoffen, die Substanz von 2003 an in Europa, den USA und Kanada auf den Markt zu bringen. "Act up" beklagt unter anderem, dass die Hersteller den frühen Zugang zu ihrer Substanz seit anderthalb Jahren verzögern. "Die Politik von Roche tötet. Bekämpft Roche mit uns", heißt es in einem Flugblatt der Gruppe. Wissenschafter und Patienten setzen große Hoffnung in das neue Medikament, das Aids jedoch auch nur verzögern, nicht aber heilen kann. (APA/dpa)