Eine Woche nachdem sich die Regierung zum Ankauf der teuersten der zur Auswahl stehenden Abfangjäger entschieden hat, stellt sich die Frage, ob der Finanzminister wie ein ordentlicher Kaufmann gehandelt hat.

1,8 Milliarden Euro (rund 25 Milliarden Schilling) sollen die Jets kosten - eine der größten Investitionsentscheidungen der Republik in den vergangenen Jahren. Aber welchen Kollateralschaden die Flieger im Haushalt tatsächlich anrichten, ist derzeit unbekannt: Denn je nach Finanzierungsform kann sich diese Summe so oder ungleich höher im Budget niederschlagen. Gut möglich, dass aus den 1,8 Milliarden auch 2,4 Milliarden werden oder noch mehr. Schuldig geblieben ist die Regierung auch die Rechnung darüber, welche Betriebskosten durch diese Entscheidung entstehen - und wie der Vergleich mit dem Status quo und den anderen Varianten ausgesehen hätte.

Im Autohaus seiner Eltern oder bei Magna, wo Finanzminister Karl-Heinz Grasser seine viel beschworenen internationalen Erfahrungen sammeln konnte, wäre eine solche Vorgangsweise eine grobe Fahrlässigkeit, die einem Unternehmen durch unabsehbare Verpflichtungen schweren Schaden zufügen könnte. Im Hause Österreich ist dies hingegen eine lässliche Sünde. Müssen halt bei Bedarf ein paar Steuerschrauben justiert werden, um für die nötige Schmierung des Budgets zu sorgen.

Dabei geht es nicht um die Frage, ob Österreich die Dinger jetzt braucht oder nicht - sondern es geht einfach um eine ordentliche, transparente Gebarung für eine Entscheidung, die die Regierung getroffen hat. Sein Image als Sanierer des Haushalts, soweit vorhanden, hat Mister Nulldefizit damit verspielt: Erst mit vollen Händen ausgeben, dann Geld suchen - das haben schon viele Koalitionen zuvor locker geschafft. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2002)