Schüler, die für eine Nachprüfung lernen müssen, brauchen nicht allzu gramgebeugt sein: Immerhin ein Drittel der insgesamt 125.000 heimischen Lehrer drückt laut Bildungsministerium auch im Juli und August die Schulbank. Und belegt Fortbildungskurse der Pädagogischen Institute in Österreich und der Sommerakademie von E-Lisa, einer E-Learning-Initiative einiger Schulbuchverlagshäuser. Der Rest macht Ferien vom Alltag mit den Kindern und Jugendlichen - und zwar nicht selten in Verbindung mit Bildungsreisen und Sprachaufenthalten im Ausland. "Die Lehrer sind wohl die am weitesten gereiste Berufsgruppe", heißt es. Und im Landesschulrat der Steiermark kann man sich das "gut vorstellen - schon alleine wegen der doch langen Zeit von mindestens zwei Monaten, die sie zur Verfügung haben".15 Stunden Pflicht Seit September 2001 sind 15 Stunden Weiterbildung im Jahr für Lehrer verpflichtend. Dabei bleiben viele Wahlmöglichkeiten offen. Zum Beispiel, was den Zeitpunkt der Kurse und Seminare betrifft. Lässt sich nämlich während der Ferien und der übrigen unterrichtsfreien Zeit keine Fortbildungsvariante finden, können die 15 Stunden während der Schulzeit absolviert werden. Auch die Inhalte werden nicht vorgeschrieben: Vom Inlineskaten und Segeln über Informatik bis zum Konfliktmanagement, wo zuletzt mehr Anmeldungen verzeichnet wurden, ist alles möglich. Ausnahmen bestätigen die Regel: Angesichts des Mangels an Integrationslehrern wird manch einer der zahlreichen Volksschullehrer gebeten, sich entsprechendes Wissen anzueignen, um zum Beispiel mit legasthenischen Kindern zu arbeiten. Der Aufwand von 15 Stunden jährlich erscheint auch den Pädagogen selbst nicht allzu groß, wie Karin Vögerle, Integrationslehrerin an einer Wiener Hauptschule, dem STANDARD bestätigt. "Dafür kann man schon ein paar Tage in den Ferien opfern." Die meisten Lehrer machen weit mehr als das freiwillig", lobt Paul Kral, Direktor des Pädagogischen Institutes der Stadt Wien. Der größte Nachholbedarf bei Lehrern bestehe nach wie vor bei PC- und Internetanwenderwissen, sagt Vögerle. "Viele Lehrer trauen sich nicht in den Computerraum, weil sie Angst haben, den Kids Fragen nicht beantworten zu können." Norbert Fahnl vom Bildungsministerium ergänzt: "Was IT und Computer betrifft, sind die Schüler meistens schon besser." Die Lehrer könnten sich nur auf eine Coaching-Funktion zurückziehen. Aber selbst dafür müssten wohl mehr von ihnen Interesse an der Materie zeigen. "Die Gruppe der Pädagogen, die sich für Computer und Internet interessiert, ist noch nicht allzu groß", bedauert man etwa bei E-Lisa, das nun im fünften Jahr eine Sommerakademie veranstaltet. Bisher hätten sich 581 Teilnehmer für etwa 6000 Kurse angemeldet. Anmeldeschluss ist Mitte August. Jene Lehrer, die sich von Anfang an interessierten, seien heute allerdings schon sehr weit und könnten mit den Kindern durchaus mithalten. Trotzdem müsse man sich in den nächsten Jahren wieder verstärkt den Einsteigerkursen auf breiter Basis - Easy Net genannt - widmen und hier Schwerpunkte setzen. "Es gibt da doch noch einige Lücken." (Peter Illetschko/DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2002)