Nun hat auch der Bundespräsident den FPÖ-Volksanwalt und möglichen Spitzenkandidaten in Niederösterreich, Ewald Stadler, in die Nähe des NS-Wiederbetätigungsgesetzes gerückt. Als Erster war es ÖVP-Vizeobmann Molterer (offenbar stellvertretend für den Schweigekanzler), der von einer "Verharmlosung" des Nationalsozialismus sprach, wenn man wie Stadler dessen Terrorherrschaft mit der Besetzung durch die Alliierten gleichsetze. Der in diesen Fragen besonders FPÖ-geneigte Justizminister Böhmdorfer wusste nichts Besseres, als Molterer zu warnen. Vielleicht weil er selbst vor Jahren als Anwalt Haiders in einem Schriftsatz gemeint hatte, man könne den Nationalsozialismus nicht total ablehnen? Nun also Klestil: "Jede Aussage, die eine Relativierung des Naziterrors bedeutet, ist schärfstens abzulehnen. Ein Geschichtsbild wie jenes von Ewald Stadler entspricht in keiner Weise dem Grundkonsens der Zweiten Republik; alle Demokraten unseres Landes sind daher aufgefordert, sich gegen solche Verfälschungen der Geschichte zur Wehr zu setzten." Wenn sich der Bundespräsident da nur nicht eine Warnung des Justizministers einfängt. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2002)