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Libellen gehören zu den bedrohten Tierarten (im Bild die äußerst seltene "Bileks Azurjungfer"). In einer Kiesgrube bei Wiener Neustadt sollen sie wieder angesiedelt werden.

Foto: APA/ WWF/Lehmann
Wiener Neustadt - Sie sind gra- ziöse Flieger und tragen Namen wie Hufeisen-Azurjungfer oder Plattbauch: Libellen. Jene Tiere, die schon zu Zeiten der Dinosaurier gelebt haben und von denen es 3700 Arten weltweit gibt, sind heute durch Landwirtschaft und Trockenlegung von Feuchtgebieten gefährdet. Nun sollen sie in Weikersdorf bei Wiener Neustadt einen neuen Zufluchtsort finden - in einer Kiesgrube. Das Projekt wurde von der Readymix Kies-Union, dem World Wide Fund for Nature (WWF) und der bilingualen Sporthauptschule Wiener Neustadt ins Leben gerufen wurde. Biotop einpendeln In der Kiesgrube, die auch weiterhin in Betrieb sein wird, haben die Projektteilnehmer zwei Teiche ausheben lassen, um die richtige Umgebung für die Insekten zu schaffen. In etwa einem Jahr, wenn sich das Biotop eingependelt hat, sollten sich die Libellen in wenigen Wochen ansiedeln. "Normalerweise leben die Tiere an Schotterflächen im Umland von Flüssen", erklärt Jutta Jahrl, Leiterin des Projekts und Expertin für Artenschutz beim WWF. Doch auch die Schottergrube sei geeignet: Sonniges Flachwasser zieht die Libellen an. Kiesproduzenten sind in Österreich verpflichtet, nach Ablauf einer Frist das Gelände zu "renaturieren". Meist wird dann die Grube zu einer Ackerfläche oder einem Forst umgewandelt. In Weikersdorf will man andere Wege gehen. Zehn Libellen-Projekte wurden in Österreich bisher durchgesetzt, vier weitere Gruben sollen noch bis Ende des Jahres besiedelt werden. Auch bei anderen Renaturierungsprojekten liegen Libellen im Trend. Die Vorteile der Insekten im Vergleich zu anderen bedrohten Tierarten - etwa den Braunbären - liegen auf der Hand: Klein, handlich und genügsam, brauchen sie nur Abgeschiedenheit und Schutz vor Feinden. (the/DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2002)