Ein neuer Hormonskandal beunruhigt die Konsumenten von Schweinefleisch im Drei- ländereck Niederlande-Belgien-Deutschland. Nach Angaben des niederländischen Agrarministeriums haben 42 Zuchtbetriebe hormonversetztes Futter verwendet. Bis zu 7500 belastete Schlachtschweine sind von dort nach Deutschland exportiert und bereits verarbeitet worden. Das Futter stammte aus einer belgischen Firma, die seit Mai bankrott ist.Die belgischen Behörden teilten nun mit, dass eine Spur des verwendeten Hormons Medroxyprogesteron-Acetat (MPA) auch nach Irland weise. Möglicherweise hat der Futtermittelhersteller "Bioland" aus Arendonk das Mittel dorther bezogen. Der Exchef der Firma wurde verhaftet, in den Niederlanden wurden mehrere Dutzend Mastbetriebe gesperrt. MPA wird beim Menschen zur Geburtenkontrolle und zur Therapie in den Wechseljahren verwendet. In den USA ist es als Masthilfe erlaubt, in der EU verboten. EU-Lebensmittelamt In Brüssel schlägt derweil der europäische Verbraucherverband Beuc Alarm. Grund ist der Plan der EU-Staaten, in den 14-köpfigen Verwaltungsrat der Europäischen Lebensmittelbehörde nur einen einzigen Verbrauchervertreter zu bestellen. Ihm stünden drei Repräsentanten der Lebensmittelindustrie, zwei Landwirtevertreter und neun Vertreter der Behörden der Mitgliedsstaaten gegenüber. BEUC-Sprecherin Caroline Hayat zum STANDARD: "Dadurch kommen starke Zweifel an der Unabhängigkeit der neuen Behörde auf." Auch EU-Verbraucherkommissar David Byrne bedauere, sagte seine Sprecherin, dass der Ministerrat nicht mehr Verbrauchervertreter ausgesucht hat. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2002)