Jerusalem - Die Behümungen um ein Ende der diplomatischen Eiszeit im Nahen Osten sind wieder torpediert worden. Nach den ersten direkten israelisch-palästinensischen Gesprächen auf Regierungsebene seit vielen Monaten am Vortag hat die israelische Polizei am Dienstag die Büros des palästinensischen Jerusalem-Beauftragten Sari Nusseibeh im Ostteil der Stadt geschlossen. Der israelische Rundfunk meldete, Sicherheitsminister Uzi Landau vom rechten Likud-Flügel habe die Maßnahme damit begründet, dass das Büro Nusseibehs der palästinensischen Autonomiebehörde als "illegale" Vertretung diene. Wie aus palästinensischen Regierungskreisen verlautete, soll ein Treffen des israelischen Außenministers Shimon Peres mit dem neuen palästinensischen Innenminister Abdel Razzek Yahia geplant sein. Nach palästinensischen Angaben nutzte Nusseibeh, Nachfolger des verstorbenen Feisal Husseini, die von der Schließung betroffenen Räume ausschließlich in seiner Funktion als Präsident der arabischen Al-Quds-Universität. Bei einer Durchsuchung beschlagnahmten die israelischen Beamten Ausweispapiere und weitere Dokumente, wie ein Sprecher Nusseibehs mitteilte. Nusseibeh selbst hielt sich zum Zeitpunkt der Razzia im Ausland auf. Bereits im vergangenen Jahr hatte Israel die palästinensische Vertretung in Jerusalem, das Orient-Haus, geschlossen, was heftige internationale Proteste hervorgerufen hatte . Oppositionspolitiker übt scharfe Kritik Der israelische Oppositionsführer Yossi Sarid vom linksliberalen Meretz-Bündnis kritisierte die Schließung des Büros von Nusseibeh scharf. Die israelische Regierung fordere eine moderatere palästinensische Führung und behindere gleichzeitig gemäßigte Kräfte, sagte er im israelischen Rundfunk. Nusseibeh gilt als besonders gemäßigter und kompromissbereiter Politiker, der schon mehrfach mit kritischen Äußerungen radikale Kräfte im palästinensischen Lager gegen sich aufgebracht hat. Bush sieht Fortschritte auf palästinensischer Seite US-Präsident George W. Bush hat sich positiv zu den jüngsten Personalveränderungen in der palästinensischen Autonomieverwaltung geäußert. Es habe "Fortschritte" gegeben, sagt Bush am Montag (Ortszeit) in Washington vor der Presse. "Es gibt einigen Fortschritt in Richtung der Institutionen, die für einen Palästinenserstaat notwendig sind". Nun sei es wichtig, dass sich Institutionen entfalten können, die "den wahren Willen des palästinensischen Volkes in der Regierung zum Ausdruck bringen", meinte Bush. Einen Abzug Israels aus den palästinensischen Gebieten werde er wie in seiner jüngsten Rede dann verlangen, "wenn sich die Sicherheitslage verbessert". Palästinenischer Angriff offenbar vereitelt Im nördlichen Westjordanland vereitelten israelische Soldaten am Dienstag offenbar einen palästinensischen Angriff. Sie verletzten einen Mann tödlich, der nach Angaben der Untergrundorganisation "Islamischer Heiliger Krieg" eine Offensive gegen israelische Ziele geplant hatte. Im Gaza-Streifen kam es zu einem Gefecht zwischen israeliscehn Soldaten und Palästinensern, nachdem die israelischen Truppen sechs palästinensische Häuser zerstört hatten. Zwei unbeteiligte Personen wurden nach palästinensischen Angaben verletzt.(APA/AP)