Paris - "Darf ein österreichischer Politiker straflos die Nazi-Barbarei und die Präsenz der alliierten Truppen in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg auf eine Stufe stellen?", fragt die französische Tageszeitung "Le Monde" in ihrer Dienstagausgabe in einem Kommentar auf der Titelseite und weist unter anderem darauf hin, dass es der Bundeskanzler nicht für notwendig gehalten habe, diesen "Skandal" öffentlich zu kommentieren. Das Stillschweigen der höchsten Autoritäten schaffe ein Problem für die vier Mächte, die Österreich von der hitleristischen Diktatur befreit haben und nun ihre "Irritation" mehr oder weniger diskret kundgetan hätten. "Der Autor dieses fragwürdigen Vergleichs zwischen Nazis und Alliierten ist einer der Führer der populistischen Rechten, Ewald Stadler, einstmals Chef der (FPÖ-)Fraktion im Parlament, wo ihm sein aggressiver Stil den vielsagenden Beinamen 'Dobermann' eingebracht hat. Heute ist er Volksanwalt der Republik, eine Funktion, in der er im Prinzip unabsetzbar ist", heißt es in dem Artikel. "Gestärkt durch die Unterstützung von Jörg Haider ignoriert Herr Stadler hochmütig die an ihn gerichteten Rücktrittsaufforderungen, auch aus den Reihen seiner eigenen Partei. (...) Für die Alliierten, insbesondere die Vereinigten Staaten, die Herrn Stadler seine Glaubensbekenntnisse zu (Iraks Staatschef) Saddam Hussein nicht verzeihen, könnte die gegenwärtige Debatte die Beziehungen zwischen Österreich und seinen wichtigsten westlichen Partnern beeinträchtigen." (APA)