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Der hochoffizielle Empfang des Dalai Lamas in Slowenien belastet die diplomatischen Beziehungen mit China

Foto: APA/EPA/ Antonio Bat
Peking/Laibach/Wien - Die Volksrepublik China hat offiziell gegen den Besuch des Dalai Lama in Slowenien protestiert. In einer Note des Außenministeriums, die am Montag in allen Parteiorganen veröffentlicht worden sei, äußerte Peking seine "große Unzufriedenheit" mit der Tatsache, dass das weltliche und geistliche Oberhaupt der Tibeter in der Vorwoche von allen führenden slowenischen Politikern empfangen worden war. Dies habe die chinesisch-slowenischen Beziehungen beeinträchtigt, zitiert die Laibacher Tageszeitung "Delo" (Dienstagsausgabe) aus der Note. Der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, war in Laibach mit Staatspräsident Milan Kucan, Ministerpräsident Janez Drnovsek, Parlamentspräsident Borut Pahor und den Spitzen der Parlamentsparteien zusammengetroffen. Peking sei darüber "sehr besorgt". Damit habe "Slowenien dem Dalai Lama eine Bühne für das Vorhersagen eines unabhängigen Tibet geboten, was seine Absichten zur Aufteilung der Heimat ermutigt, die chinesische Souveränität ernsthaft bedroht, die Gefühle des chinesischen Volkes ernsthaft getroffen und die chinesisch-slowenischen Beziehungen beeinträchtigt hat", heißt es in der diplomatischen Note. China beharrt auf Tibet Slowenien solle versprechen, "dass sich ähnliche Vorfälle nicht mehr ereignen werden", und sofort Handlungen setzen, mit denen es das Prinzip achte, wonach Tibet ein Bestandteil Chinas ist. Tatsächlich hatte der Dalai Lama bei seinen öffentlichen Auftritten in Slowenien betont, er strebe nicht nach einer Unabhängigkeit Tibets, sondern wolle lediglich dessen Autonomie innerhalb Chinas. Wie "Delo" weiter schreibt, ist es unwahrscheinlich, dass China der Note konkrete Sanktionen gegen Slowenien folgen lassen könnte. Die Absage von offiziellen Besuchen liefe nämlich der Absicht Pekings zuwider, internationale Kontakte auszubauen. Auch Maßnahmen im wirtschaftlichen Bereich wären "ein irrationaler Zug", weil China mit Slowenien einen Handelsbilanzüberschuss im Verhältnis 10:1 habe. Andererseits habe Peking mit dem Empfang des Dalai Lama im kleinen Slowenien "das Gesicht verloren" und könnte daher laut "Delo" versucht sein, ein Exempel an Laibach zu statuieren. Der Dalai Lama war am Wochenende von Slowenien nach Kroatien weitergereist. Dort war er von den politischen Spitzen gemieden worden. Am Montag traf allerdings der zurückgetretene Premier Ivica Racan ausdrücklich als Privatmann mit der "moralischen Autorität" zusammen. (APA)