Die EU-Kommission will den Wettbewerb im Ortsnetz stärken. In einer Anhörung in Brüssel zum Thema Entbündelung im Ortsnetz erklärte Wettbewerbskommissar Mario Monti, dass für die EU die Zugangssituation im Ortsnetz weiterhin unbefriedigend sei. Bisher wurden europaweit weniger als 900.000 Telefonleitungen entbündelt. Nach Ansicht der Kommission werde in vielen europäischen Staaten die Entbündelung und damit die Verbreitung von Breitband von den Ex-Monopolisten behindert. Tools "Entbündelung ist nicht Selbstzweck, sondern ein Werkzeug. Wir wollen eine breite Palette von Telekomanbietern und ISPs, Wahlfreiheit für die Kunden und schnelleren technischen Fortschritt", erklärte Monti. Laut Monti wird die Kommission alles tun, um die Verbreitung von leistungsfähigen Internet-Zugängen im Ortsnetz weiter zu fördern. Gleichzeitig sollen für alle Anbieter die gleichen Bedingen geschaffen. Augenmerk Bisher hat sich die Kommission auf Preisverzerrungen durch unfaire Wettbewerbspraktiken beschränkt, in Zukunft wird aber auch vermehrt auf Diskriminierung der einzelnen Anbieter geachtet. Dabei sollen sowohl die Wettbewerbsregeln der EU als auch die Entbündelungs-Richtlinien zum Einsatz kommen. Ungeachtet des schwierigen finanziellen und wirtschaftlichen Umfelds des Telekom-Sektors müssten die Wettbewerbsregeln weiter beachtet werden, stellte Monti dagegen fest. Daneben forderte er die Anbieter zu einer besseren Zusammenarbeit auf, "ansonsten wird das Interesse der Kunden an E-Commerce und neuen Technologien wieder abnehmen." Untersuchung Die Kommission hatte im Jahr 2000 eine Untersuchung über Entbündelung von Internetzugang auf der letzten Meile sowie die Verbreitung und Entwicklung von DSL-Angeboten in Auftrag gegeben. Damals starteten viele DSL-Services in Europa, die letzte Meile verblieb allerdings fest in den Händen der ehemaligen Monopolisten. Inzwischen musste die Kommission feststellen, dass sich die Situation im Ortsnetz nicht verändert hat und der Local Loop weiterhin fest in der Hand der Telekom-Konzerne ist. (pte)