Wien - Die bekannten Risiken bei der Hormonersatztherapie für Frauen in der Menopause haben sich bei der ersten prospektiven Studie (eine Studie, die ab einem gewissen Termin vorausschauend in die Zukunft hinein arbeitet, Anm.) in den USA bestätigt: Nach fünf Jahren wurde die Untersuchung abgebrochen, da das Brustkrebsrisiko bei den Teilnehmerinnen um 26 Prozent gestiegen ist. Die Studie, die im "Journal of the American Medical Association" publiziert wurde, ist der zweite Schlag für die Hormonsubstitution in diesem Monat. Zuvor brachte die Studie HERS II als Ergebnis, dass die Kombination von Östrogen und Progestin Frauen nach der Menopause nicht vor Herzkrankheiten schützt (gerade zu deren Prävention wird sie aber manchmal angewendet).Die nunmehr publizierte US-Studie an 16.600 Amerikanerinnen hatte folgendes Ergebnis: Die Hormonersatztherapie verringert das Risiko einer Hüftfraktur (ein Maßstab für Osteoporose), die Gesamtkrebsrate (etwa Mastdarmkrebs) ging zurück, jedoch erhöhte sich die Zahl der Schlaganfälle um 41 Prozent, Herzinfarkte um 29 sowie die Brustkrebs-Fälle um 26 Prozent. Zwei österreichische Ärzte erklärten, dass für Österreicherinnen, die diese Behandlung in der Menopause erhalten, kein Grund zur Sorge bestehe: "Unser System ist mit dem amerikanischen nicht vergleichbar. Bei uns bekommen nur die Patientinnen die Hormone, die diese auch benötigen", so der Wiener Gynäkologe und Hormonspezialist Univ.-Prof.DDr. Johannes Huber und der Leiter der gynäkologischen Abteilung am Wiener AKH, Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter. Studien-Design kritisiert Vor allem das Design der Studie wird von den Fachleuten kritisiert. Es wurde undifferenziert Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren die gleiche Menge an Hormonen verabreicht, ob sie diese benötigten oder nicht. Eine Vorgangsweise, die in den USA Huber zufolge durchaus üblich ist. "Die verwenden sie unter dem Motto 'Für immer jung und schön' wie Staubzucker, davor haben die Europäer immer gewarnt", sagte der Hormonspezialist. In Europa und speziell in Österreich gehen die ÄrztInnen einen anderen Weg. Es bekommen überhaupt nur Frauen eine Hormonersatztherapie, wenn sie diese etwa wegen Wechselbeschwerden auch benötigen. "Und zwar in der richtigen Zusammensetzung und Dosis", so Huber. Zudem würden, wie Leodolter unterstrich, die Frauen dazu angehalten, jährlich eine Mammografie durchzuführen und selbst ihr Brust zu untersuchen. Sobald eine Einnahme nicht mehr erforderlich ist, werde die Therapie abgesetzt. HERS-Studie Die HERS-Nachfolgestudie HERS II, die ebenfalls im Wissenschafts-Magazin "Journal of the American Medical Association" publiziert wurde, bekräftigt die Bedenken gegen die Hormoneinnahme nach den Wechseljahren zur Vorbeugung von Herz-Kreislauferkrankungen. Die Hypothese, dass sich ein günstiger Effekt der Hormone erst bei längerer Nachbeobachtung zeigt, wird nicht bestätigt. Thromboembolien und Gallenblasenerkrankungen nehmen aber zu. Die Nachfolgestudie kommt HERS II kommt zu dem Schluss, dass sich für gesunde Frauen nach den Wechseljahren die Langzeiteinnahme zur Prävention von Herzkranzgefäßerkrankungen nicht begründen lässt. Die 1998 publizierte Heart and Estrogene/Progestin Replacement Study (HERS) war die erste randomisierte Langzeit-Interventionsstudie zur Hormonsubstitution nach den Wechseljahren. (APA/Reuters/dy)