Prag - Mit dem ehemaligen tschechischen Außenminister Jan Kavan steht erstmals ein Tscheche an der Spitze der UNO-Generalversammlung. Am Montag wurde der 55-Jährige ohne Gegenkandidaten zum neuen Vorsitzenden des Gremiums gewählt. Kavan wird sein Amt im September antreten, wenn die 57. Generalversammlung erstmals zusammentritt. Während seiner Amtszeit will Kavan sich vor allem der Frage widmen, wie die Weltorganisation Frieden sichern und Konflikten vorbeugen kann. Hohe Priorität hat für Kavan außerdem der Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Innerhalb der Vereinten Nationen werde er den Prozess zur Reform der Generalversammlung fortsetzen, kündigte der neue Vorsitzende an. Der 1946 in London geborene Sohn eines tschechischen Diplomaten und einer englischen Lehrerin war ein Jahr nach Niederschlagung des "Prager Frühlings" (1968) aus der Tschechoslowakei nach Großbritannien geflohen und arbeitete dort in studentischen Exil-Gruppen. Aktiv unterstützte Kavan die Dissidentenbewegung in seiner Heimat, unter anderem mit der von ihm gegründeten Agentur "Palach Press". 1972 trat Kavan der britischen Labour Party bei und blieb bis Ende der 80er Jahre deren Mitglied. Unmittelbar nach der politischen Wende in seiner Heimat im November 1989 kehrte Kavan nach Prag zurück und engagierte sich in der demokratischen Sammelbewegung "Bürgerforum". Später war er leitender Mitarbeiter des tschechischen Helsinki-Komitees. Drei Jahre nach seinem Eintritt in die Sozialdemokratische Partei (CSSD) wurde Kavan 1996 in den Senat, die erste Kammer des Prager Parlaments, gewählt. In der sozialdemokratischen Regierung unter Regierungschef Milos Zeman leitete Kavan von 1998 bis 2002 das Außenministerium. Zu den herausragenden Ereignisse seiner Amtszeit gehörte im März 1999 der Beitritt des ehemaligen Warschauer-Pakt-Mitglieds Tschechien zur NATO.(APA/dpa)