Madrid/Wien - Spanien steht offenbar unmittelbar vor einer umfassenden Regierungsumbildung. Wie spanische Medien berichten, hat Ministerpräsident Jose Maria Aznar sein Kabinett am Dienstagmittag zu einer außerordentlichen Sitzung in seinen Amtssitz berufen. Nach Angaben der spanischen Tageszeitung "El Mundo" (Internetausgabe) sollen von der Regierungsumbildung zumindest sieben Ressorts betroffen sein. Außenminister Josep Pique und Gesundheitsministerin Celia Villalobos könnten aus der Regierung ausscheiden, berichtet die Zeitung "El Pais". Aznar könnte demnach noch am Dienstagnachmittag den spanischen König Juan Carlos von den Änderungen in Kenntnis setzen. Laut "El Mundo" haben drei Minister, Jesus Posada (Öffentliche Verwaltung), Arias Canete (Landwirtschaft) und Juan Jose Lucas (Amt des Ministerpräsidenten) bei einer Veranstaltung der regierenden Volkspartei am Dienstag in Avila ein mögliches Ausscheiden aus ihren Ämtern angedeutet. Weitere Kandidaten sind Arbeitsminister Juan Carlos Aparicio, Wissenschaftsministerin Anna Birules und Umweltminister Jaime Matas. Auch die Präsidentin des spanischen Senates, Esperanza Aguirre, könnte abgelöst werden. Wie die spanische Tageszeitung "La Vanguardia" in ihrer Internetausgabe berichtete, soll der Regionalpolitiker Eduardo Zaplana möglicherweise das Amt des spanischen Vizeministerpräsidenten übernehmen. Sie schreibt hingegen lediglich von fünf Ministern, die das Kabinett verlassen sollen, Anna Birules (Wissenschaft und Technologie), Jesus Posada (Öffentliche Verwaltung), Juan Carlos Aparicio (Arbeit), Celia Villalobos (Gesundheit) und Jaume Matas (Umwelt). Alle mit Ausnahme von Birules und Matas haben sich am Dienstag im Regierungspalast in Madrid zum Gespräch mit Aznar eingefunden. Laut "El Mundo" könnte auch Regierungssprecher Pio Cabanillas sein Amt verlieren. Damit wären den Medienberichten zufolge lediglich sieben der insgesamt 16 Minister nicht von der Regierungsumbildung betroffen. Einer von ihnen, Verteidigungsminister Federico Trillo, ließ verlauten, er würde - so wie alle restlichen Mitglieder des Kabinetts - "ohne Zögern und ohne Ängste" eine mögliche Entlassung durch Aznar akzeptieren, "denn in der Regierung der Volkspartei zeichnen wir uns dadurch aus, dass wir vom ersten Tag an wissen, dass wir unsere Verantwortung auf Verfügung dessen tragen, der uns beauftragt hat, und das ist Ministerpräsident Aznar". Aznar nach Generalstreik unter innenpolitischem Druck Aznar war anlässlich des EU-Gipfels von Sevilla Ende Juni innenpolitisch stark unter Druck geraten, als die Gewerkschaften einen Generalstreik gegen die Regierung ausriefen. Am 15. Juli hält Aznar im spanischen Abgeordnetenhaus (Cortes) seine traditionelle Rede zur Lage der Nation. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll nun der Präsident der autonomen Region Valencia, Eduardo Zaplana, ein prominentes Ministeramt übernehmen. Er hat am Dienstag seine Regierung in Valencia zu einer Sitzung zusammengerufen und einen Besuch in Brüssel abgesagt. Am Wochenende hatte Aznar überraschend den Vorsitzenden der autonomen Region Madrid, Alberto Ruiz Gallardon, aufgefordert, bei den heurigen Lokalwahlen nicht für eine dritte Amtszeit, sondern für das Amt des Bürgermeisters der spanischen Hauptstadt zu kandidieren. Dies dürfte nun offenbar der unmittelbare Auslöser für umfangreiche Personalrochaden innerhalb der Volkspartei gewesen sein.(APA)