30. Mai: SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures wirft Gaugg "unverschämte Gehaltsforderungen" vor. Es sei "skandalös", dass Gaugg ein Jahresgehalt von 200.000 Euro wolle. 1. Juni: Die ÖVP Vorarlberg kritisiert die Bestellung von Gaugg und meint, die FPÖ "drängt unverfroren zu Futtertrögen der Macht". Landtagsklubobmann Gebhard Halder forderte die Bundes-ÖVP auf, "dieses Spiel nicht länger mitzumachen". 2. Juni: Haider spricht in der "Kleinen Zeitung" von einem "Sündenfall" bei der Vorgangsweise der Bestellung Gauggs zum PVA-Vize. "Die Vorgangsweise, wie die Auswahl organisiert worden ist, ist absolut inakzeptabel. Ich hätte mich dieser Herausforderung gestellt, ohne dass vorher die ÖVP- und FPÖ-Granden zusammen sitzen und die Neuordnung der Sozialversicherung personell beraten. Man hat Gaugg damit nichts Gutes getan". Riess-Passer rechnet mit einem Mandatsverzicht von Gaugg. Sie bekräftigte gleichzeitig, falls Gaugg im Parlament bleiben sollte, würde er unter die 66.000 Schilling Einkommensgrenze (4.796 Euro) für FPÖ-Politiker fallen. Jedenfalls habe Gaugg ihr zugesagt, dass er bei einem Wechsel in die PVA aus dem Parlament ausscheiden werde. 3. Juni: Gaugg tritt in der PVA seinen neuen Job als Vizegeneraldirektor an. "Die Entscheidung über mein Mandat werde ich zu gegebenem Zeitpunkt öffentlich bekannt geben". 5. Juni: Gaugg will im Parlament bleiben. In "News" meint Gaugg: "Aus heutiger Sicht denke ich sicher nicht daran, mein Mandat zurückzulegen". Im Zweifelsfall würde er sogar auf seinen neuen Posten in der PVA verzichten: "Das könnte passieren". 6. Juni: Gaugg hält sich alle Möglichkeiten offen und will erst nach Vorliegen seines Dienstvertrags entscheiden. Dies werde am 8. Juli der Fall sein. Sozialminister Herbert Haupt (F) will die Entscheidung allein Gaugg überlassen. Dies sei "eine höchst persönliche Angelegenheit". Westenthaler stellt sich demonstrativ hinter Gaugg. Es sei allein dessen Entscheidung, ob er künftig sowohl seinen Job im Parlament als auch den PVA-Posten ausüben werden. So lange Gaugg keinen Vertrag für seinen PVA-Job habe, hätte er "alles Recht der Welt", im Nationalrat zu bleiben. Sein Rat an Gaugg sei auch, "um die Position zu kämpfen". Riess-Passer dagegen erklärt im "Standard", Gaugg "wird sein Mandat zurücklegen, sobald er einen Dienstvertrag und klar definierte Aufgaben hat". Das sei "mit mir, dem Klubobmann und auch mit den Kärntnern" so vereinbart. 7. Juni: Erstmals schaltet sich Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) ein. Er fordert Gaugg auf, sein Nationalratsmandat zurückzulegen. "Ich möchte nicht haben, dass Mandatare leitende Funktionen in Sozialversicherungsanstalten haben". Es bestehe zwar keine juristische, wohl aber eine politische Unvereinbarkeit. Schweitzer bezeichnet die Aussage Schüssels als "etwas unüberlegt". Der FPÖ-Generalsekretär bietet ÖVP, SPÖ und Grünen an, "gemeinsam mit uns im Parlament ein Unvereinbarkeitsgesetz zu beschließen". 8. Juni: Riess-Passer kritisiert die Gaugg-Diskussion. Gaugg sollte nicht zum "öffentlichen Watschenmann" gemacht werden. 9. Juni: Am FPÖ-Parteitag meint Riess-Passer zu Schüssel: "Wenn das unvereinbar ist, stimme ich zu. Aber dann marschieren auf der Stelle 20 rote und acht ÖVP-Abgeordnete aus dem Parlament". Haider meint zu Gauggs PVA-Job: "Er ist qualifiziert, er hat die Aufgabe wahrzunehmen, und er hat sie ganz wahrzunehmen". 10. Juni: ÖVP-Klubobmann Andreas Khol sieht bei Gaugg eine Unvereinbarkeit zwischen Nationalratsmandat und PVA-Job. Die von der FPÖ angebotene Unvereinbarkeitsregelung, die alle Sozialpartner- und Sozialversicherungsfunktionäre aus dem Parlament ausschließe, lehnt Khol ab. Schweitzer widerspricht Khol und meint, Gaugg "hat das Recht, seinen Vertrag abzuwarten und sich dann zu entscheiden". 11. Juni: Riess-Passer spricht sich ebenfalls für ein neues Unvereinbarkeitsgesetz aus. Khol lehnt dies neuerlich ab. Haas berichtet davon, dass die Gehaltswünsche von Gaugg "ungefähr 200.000 Euro im Jahr" ausmachten. Haupt zeigte sich verärgert, dass der Dienstvertrag für Gaugg noch immer nicht vorliegt. Jedenfalls hätte der Sozialminister auch nichts dagegen, wenn Gaugg 200.000 Euro jährlich erhält. Wenn aber die Leistungen nicht den Vorgaben entsprechen, könnte das Einkommen bis hin zu null reduziert werden. Derzeit komme Gaugg gerade einmal auf 2.000 Euro im Monat, meinte Haupt. Haider erklärt, Gaugg könne nicht zum Verzicht auf sein Mandat im Nationalrat gezwungen werden. "Wenn er geht, dann nur freiwillig". 12. Juni: Im Nationalrat erhitzt die Causa Gaugg im Rahmen einer SPÖ-Aktuellen Stunde zum Thema "Postenschacher der Bundesregierung" die Gemüter. SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer meinte, der Fall Gaugg sei ein Musterbeispiel für die "Selbstversorgungsmaschinerie" der FPÖ. Schüssel verteidigt die Wahl Gauggs und meinte, auch ein Nationalratsabgeordneter müsse die selbe Chance auf einen derartigen (PVA, Anm.) Job haben. Die FPÖ prangerte den Postenschacher unter früheren SPÖ-Regierungen an. Westenthaler sprach im Zusammenhang mit der Bestellung Gauggs in der PVA von einem "unmoralischen Angebot" der SPÖ. Danach wäre Gaugg Direktor der PVA-Landesstelle Kärnten geworden, wenn die FPÖ dafür Robert Freitag (S) zum PVA-Vize gewählt hätte. Der Grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen meinte, die FPÖ-Angriffe gegen frühere SPÖ-Regierungen könnten "kein Argument sein, um die gleichen Fehler jetzt zu wiederholen".