Wien - Vorstandsgehälter, die pro Monat ein Vielfaches dessen ausmachen, was ein Fließbandarbeiter im ganzen Jahr verdient. Dazu Aktienoptionen, bei denen die Gelder umso heftiger sprudeln, je höher der Börsenkurs des Unternehmens klettert. US-Manager haben seit Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet, und ihre Kollegen auf dem alten Kontinent eifern ihnen immer öfter nach. Auch wenn ein Unternehmen zu schlingern beginnt oder gar Pleite macht, müssen die Manager selten am Hungertuch nagen. Meist erhalten sie mehrstellige Millionen-Euro-oder -Dollar-Beträge mit auf den Weg ins Ausgedinge. Gary Winnick etwa, Gründer und Hauptaktionär von Global Crossing: Er hat sich noch schnell 734 Mio. Dollar genehmigt, ehe er das Telekomunternehmen in die Insolvenz steuerte. Kräftig zugelangt haben auch andere US-Konzernlenker: bei den Top-500-Unternehmen waren zuletzt Jahresgagen zwischen 100 und 300 Millionen Dollar üblich - gestützt großteils auf Aktienoptionen. "Bilanzfriseur" Wie jetzt nach und nach bekannt wird, betätigte sich so mancher Manager gar als "Bilanzfriseur", wenn es darum ging, den Firmenwert zu pushen und damit ihr Einkommen zu erhöhen. Bilanzfälschungen mussten unter anderem Traditionsunternehmen wie Xerox, General Electric, IBM, Worldcom und Enron zugeben. Einige dieser Blue Chips sind pleite - trotzdem genießen deren Chefs unbehelligt ihre Millionen. Stehvermögen bewies in Europa zuletzt Jean-Marie Messier, der den Medienkonzern Vivendi an den Rand der Pleite manövriert hat. Obwohl er sozusagen den Super-GAU in der Firmengeschichte gebaut hat, kann er mit zwölf bis 18 Millionen Euro Abfindung rechnen und einem formellen Verzicht des Konzerns, rechtliche Schritte gegen ihn zu unternehmen. Freundschaftsdienste Hilfreich war dem Vernehmen nach seine Freundschaft mit Bernard Arnault, dem Chef des Luxuskonzerns LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton, wo Messier im Aufsichtsrat sitzt. Für Unmut hat in Deutschland zuletzt Klaus Lederer gesorgt, der ehemalige Chef des in die Insolvenz geschlitterten Anlagenbauers Babcock Borsig. Er hat sich rechtzeitig vor der Pleite mit der profitablen Kieler Werft HDW abgesetzt und besetzt dort den Chefsessel. Bei Babcock wackeln indes mehr als 20.000 Arbeitsplätze, 13.000 davon allein in Deutschland. (stro, DER STANDARD, Printausgabe 10.7.2002)