Brüssel/Wien - EU-Währungskommissar Pedro Solbes sieht die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone weiter auf Erholungskurs. Dieser Trend sei seit Jahresbeginn zu beobachten und werde sich gegen Ende des Jahres weiter beschleunigen. Im ersten Quartal 2002 wuchs die Wirtschaft in der Eurozone um 0,3 Prozent und im zweiten Quartal - nach Schätzungen der EU-Kommission - um 0,3 bis 0,6 Prozent, im dritten Quartal werde das Wirtschaftswachstum bereits auf 0,7 bis 1,0 Prozent zulegen. Solbes zeigte sich aber beunruhigt über die Budgetdiziplin in einigen EU-Staaten. "Ich sehe einige Spannungen, was den Stabilitätspakt angeht", sagte Solbes am Dienstag in Brüssel. In der Vergangenheit hatte die Kom- mission Deutschland, Frankreich, Italien und Portugal zu verstärkten Anstrengungen bei der Haushaltskonsolidierung aufgerufen. Solbes nannte diesmal keine Namen. Sorgen bereiten auch die steigenden Arbeitslosenzahlen in Deutschland. Die im Juni sonst übliche Erholung auf dem deutschen Arbeitsmarkt blieb diesmal aus. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland stieg um 7900 auf 3,954 Mio. und damit auf den höchsten Stand seit vier Jahren. Mehr Arbeitslose Auch in Österreich steigt heuer die Arbeitslosigkeit. Nach Schätzung der OECD werde die Arbeitslosenquote heuer von 4,9 auf 5,6 Prozent steigen und erst 2003 wieder leicht sinken. Im Jahresdurchschnitt 2002 werden in Österreich rund 200.000 Menschen arbeitslos sein. In der EU werde die Arbeitslosenquote in diesem Jahr von 7,4 auf 7,6 Prozent ansteigen. Für Deutschland erwartet die OECD einen Anstieg der Arbeitslosenquote von 7,4 auf 7,8 Prozent und im Jahresdurchschnitt rund 3,3 Mio. Arbeitslose. Zur Diskussion um die Flexibilisierung des deutschen Arbeitsmarktes anhand der Vorschläge der Hartz-Kommission sagte Arbeitsminister Martin Bartenstein, dass Österreichs Arbeitsvermittlung "um Welten besser" sei als in Deutschland. Das Arbeitsmarktservice sei bereits ausgegliedert und habe jene schlanke Struktur, die in den Hartz-Empfehlungen für die deutsche Bundesanstalt für Arbeit erst vorgeschlagen werde. In Deutschland habe man sich darüber hinaus die Reduktion der durchschnittlichen Vermittlungsdauer von Arbeitslosen von 33 auf 22 Wochen zum Ziel gesetzt, während sie in Österreich schon jetzt bei 15 Wochen liege. (APA, AFP, Reuters, DER STANDARD, Printausgabe 10.7.2002)