Brüssel - Der Gebietsschutz für Autohändler soll im Oktober 2004 fallen. Dieser zentrale Punkt der EU-Reformpläne für den Kfz-Vertrieb wurde nun aus EU-Kommissionskreisen in Brüssel bestätigt. Ursprünglich hätte EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti die Liberalisierung der Gebietsmonopole schon mit Ablauf der bisherigen Gruppenfreistellungsverordnung für den Autovertrieb im Oktober einführen wollen. Abgesehen von dieser Über- gangsfrist hat Monti seinen im Februar vorgelegten Entwurf für die Liberalisierung des Automarktes trotz Drucks - unter anderem vonseiten des deutschen Bundeskanzlers und des EU-Parlaments - kaum verändert. Die EU-Kommission soll die neue Gruppenfrei- stellungsverordnung Mittwoch nächster Woche verabschieden. Nach Montis Vorschlag können Händler von Personenwagen künftig auch außerhalb ihres Gebiets Filialen gründen. Alternativ dürfen sie EU-weit an unabhängige Wiederverkäufer - wie Supermärkte oder Internethändler - Fahrzeuge liefern. Zwei Vertriebssysteme

Die Autohersteller haben dazu die Möglichkeit, eines von zwei Vertriebssystemen pro EU-Land zu wählen: Entweder sie geben Autohändlern das Recht, außer einem Haupthaus auch beliebig viele Zweigstellen im In- und Ausland zu eröffnen; oder sie geben ihren Händlern Gebietsmonopole, müssen dann aber dulden, dass diese Händler auch an kommerzielle Kunden Autos weiterverkaufen. Die Händler dürfen zudem künftig auch verschiedene Automarken im selben Verkaufsraum anbieten.

Neben dem Vertrieb wird die neue Verordnung auch das Werkstättengeschäft erleichtern. Autohersteller dürfen ihre Händler nicht mehr zwingen, auch Reparaturdienste anzubieten. Zudem haben freie Reparateure künftig Anspruch darauf, Vertragswerkstätten gleichgestellt zu werden, wenn sie die objektiven Anforderungen des jeweiligen Herstellers erfüllen. (jwo, DER STANDARD, Printausgabe 10.7.2002)