Wien - Auch wenn es keine Kampfszenen während der konzertanten Aufführung im Theater an der Wien gab: Spannung, Opulenz und stimmliche Kulinarik war der Händel-Oper Arianne in Creta keinesfalls abzusprechen. Eigentlich hätte sie "Teseo in Creta" heißen müssen. So beherrschend und überlegen sang, erlebte, kämpfte Kristina Hammarström mit ihrem warmen, weichen Mezzosopran gegen die Vertragsschuld.

Jährlich sieben männliche und sieben weibliche Geiseln müssen Minotauro geopfert werden. Natürlich siegt unser Held, und alles wird gut. Neben der Fähigkeit, sich dem Stil von Händels Musik anzupassen, kommt Hammarström eine ungeheure Bühnenpräsenz und Ausdruckskraft zugute. Sie ist die alles beherrschende Figur und kann nicht unerwartet den meisten Szenenapplaus einheimsen.

Zu kämpfen hat Teseo gegen Minos (Evgueniy Alexiev) und Tauride (Ann Hallenberg). Nicht ganz leicht, denn lLetztere hat die stimmlichen Eigenschaften von Kundry und Walküre zusammen. Was sie schmettert, das gilt. Gerade noch im Goethe-Theater Bad Lauchstädt aufgetreten, zeigt das aufgeweckte Team um Christophe Rousset, den ungemein sympathischen Gründer und Leiter von Lès Talens Lyriques, wie viel Leben, Freude und Energie in der barocken Musik steckt. Auch wenn sie bald vier Stunden dauert.

Modulierte Technik

Die eigentliche Hauptpartie, die der Arianna, könnte nun schnell als eine Nebenrolle verblassen. Dass dieses nicht geschah, ist Sandrine Piau zu verdanken, die vor allem im zweiten Teil durch ihre filigrane Technik und enorme Modulationsfähigkeit selbst im dreigestrichenen Register überzeugen konnte.

Als dritter Garant für den Sieg des Guten gegen das Böse erwies sich Anne-Lise Sollied in der Partie des Alceste. Ihre ausgeglichene Stimme schien - trotz Schwangerschaft - keine Schwierigkeiten zu kennen, und dass sie ihre Hosenrolle sanft anlegte, fügte sich gut ins Ensemble ein. Betrifft die ganze Crew: Das Haus war ob so vielen Mutes zu lebendigem Musizieren restlos begeistert. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.7.2002)