In der Hitze der Nacht ist es geschehen. Endlich: ein Trend! Und das Beste daran: Er geht angeblich von Wien aus. Ganz still und heimlich hat es begonnen, jetzt berichtet sogar das deutsche Fernsehen davon. Ja, Freunde, wie es aussieht, haben wir es überstanden; die Krise des Zeitgeists, das Sinntief der Orientierungslosen. Jetzt! Ja, jetzt geben wir einmal vor, was "in" ist."RTL Extra" berichtet von zwei jungen Männern, die sich in Grünanlagen nach die Schlafzimmermatratze gegen den feuchten Grasboden austauschenden Menschen umschauen. Genauer: Die zwei filmen Paare, die es im Freien miteinander treiben. Was bisher so nicht bekannt war: Davon gibt es jede Menge! Überall in Wien wird, so scheint's, gar heftig kopuliert: hinter Büschen, auf Parkbänken, am Brückengeländer, manchmal völlig nackend, zumeist aber doch im Schnellverfahren, Motto: Rock hoch, Hose bis zu den Knien runter und ab die Post! Das Internet dient als Umschlagbörse für das frivole Vergnügen. Die beiden professionell mit Nachtsichtgerät ausgestatteten Filmemacher haben ihre Freude am blühenden Umsatz. Glücklich auch, wer seinen Beruf mit so viel Leidenschaft ausübt: Das Schauen aus dem Hintergrund sei verbunden mit einem "Nervenkitzel", wie ihn sonst nur der "Jäger am Hochstand beim Erlegen eines Wildtieres" erlebe. In München waren die zwei übrigens auch. Zurückgekommen sind sie allerdings mit leeren Händen, außer Lagerfeuer war nichts. Wien, Weltstadt für Spanner! (prie/DER STANDARD, Printausgabe, 10.7.2002)