Washington - US-Forscher glauben, das Rätsel massenhafter schwerer Missbildungen bei Fröschen gelöst zu haben. Über die Ursache der Deformationen zerbrechen sich Biologen und Umweltschützer seit mehr als einem Jahrzehnt die Köpfe. Joseph Kiesecker von der Pennsylvania State Universität in University Park und Kollegen gelang es jetzt nachzuweisen, dass die Doppelbelastung durch Pestizide und eine weit verbreitete Parasitenart, die Trematoden-Saugwürmer, schuld an dem Frosch-Desaster sind. Ihren Ermittlungen nach sind in manchen Regionen der USA und Kanadas bereits bis zu 30 Prozent aller Frösche verkrüppelt. Manchen fehlen Gliedmaßen, andere haben zu viele. Doppelbelastung Kieseckers Team berichtet in einer Online-Veröffentlichung des Fachjournals "Proceedings of the National Academy of Sciences" , dass Pestizide aus der Landwirtschaft und dem Gartenbau in Rinnsalen in Froschteiche und Seen gelangen und dort das Immunsystem von Fröschen und Kaulquappen schwächen. Wenn sich Trematoden die geschwächten Kaulquappen anschließend als Wirt aussuchten, reichten deren Abwehrkräfte oft nicht mehr aus. Die gleichen Trematoden-Larven können bei Menschen, die in dem See oder Teich baden, einen Ausschlag hervorrufen, berichten Kiesecker und Kollegen. Allerdings sei das menschliche Immunsystem stark genug, um die Larven abzustoßen. Als Reaktion auf die Trematoden-Attacke trete meist nur ein Juckreiz auf. Dagegen führen die in tropischen Gewässern vorkommenden Trematoden zu der als Schistosomiasis oder Bilharziose bekannten chronischen Infektion. An ihr erkranken jährlich mindestens 300 Millionen Menschen. Viele von ihnen sterben an der Krankheit. (APA/dpa)