Santiago de Chile/Valparaiso - Knapp dreißig Jahre nach seinem blutigen Putsch hat der frühere chilenische Diktator General Augusto Pinochet sein letztes politisches Amt aufgegeben. Begleitet von Tumulten nahm der Senat am Dienstag (Ortszeit) in der Küstenstadt Valparaíso den Rücktritt des 86-Jährigen als Senator auf Lebenszeit an. Pinochet entschloss sich zum Verzicht auf das Amt, nachdem der Oberste Gerichtshof ihn zu Beginn des Monats nach jahrelangem juristischen Tauziehen endgültig für verhandlungsunfähig - aus Gründen der Demenz - erklärt hatte. Als Senator genoss Pinochet Immunität vor Strafverfolgung. Staatspräsident Ricardo Lagos begrüßte den Schritt. In seinem Rücktrittsschreiben rechtfertigte Pinochet den Staatsstreich von 1973 gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende als "Akt für den Frieden und die Souveränität" des Landes. Die unter seiner Herrschaft erreichten Leistungen würden in die Geschichte eingehen, er selbst habe ein "reines Gewissen". Den Rücktritt als Senator auf Lebenszeit begründete der 86-Jährige mit seiner angeschlagenen Gesundheit. Er trat das Amt im März 1998 an, einen Tag nach der Übergabe der Befehlsgewalt über die Streitkräfte. Vergangenen Donnerstag gab er seinen endgültigen Rücktritt von der politischen Bühne bekannt. Drei Tage zuvor hatte der Oberste Gerichtshof entschieden, dass Pinochet aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für die Verbrechen unter der Diktatur zur Rechenschaft gezogen werden kann. Die Verlesung der Rücktrittserklärung musste im Senat wegen tumultartiger Szenen unterbrochen werden. Mitglieder der Kommunistischen Partei warfen von der Tribüne Geldstücke in Richtung der Senatorensitze und riefen "Mörder, Mörder!". Auf einem Plakat warf der sozialistische Abgeordnete Fidel Espinoza Pinochet vor, seinen Vater auf dem Gewissen zu haben. Senatspräsident Andres Zaldivar ließ die Demonstranten von der Polizei aus dem Saal werfen und unterbrach die Sitzung. Anhänger Pinochets lobten dessen Rücktritt vom Senatorenposten dagegen als "staatsmännisch und ehrenhaft". Staatspräsident Lagos sagte, mit dem Rückzug des Ex-Diktators werde das Land "mehr Ruhe" finden, um sich den "Themen der Zukunft" widmen zu können. Pinochet putschte sich am 11. September 1973 gegen den sozialistischen Präsidenten Allende an die Macht. Unter seiner 17-jährigen Diktatur bis 1990 wurden rund 3000 Menschen getötet oder verschwanden spurlos. Alle Versuche, Pinochet wegen Menschenrechtsverbrechen zur Verantwortung zu ziehen, blieben letztlich erfolglos. So wollte der Ermittlungsrichter Juan Guzman Tapia dem Ex-Diktator wegen der so genannten "Todeskarawane" den Prozess machen. Nach dem Militärputsch zogen im Oktober 1973 Sondereinsatzkommandos durch ganz Chile und ermordeten mehr als 70 Menschen. Insgesamt sind in Chile noch über 300 Klagen gegen den Ex-Diktator anhängig. Auch die argentinische Justiz bemühte sich um die Strafverfolgung Pinochets. Das juristische Tauziehen um Pinochet begann im Oktober 1998, als er auf Antrag der spanischen Justiz in Großbritannien festgesetzt wurde. Die britische Justiz entließ ihn im März 2000 auf Grund seines Gesundheitszustandes aus dem Hausarrest und verhinderte so ein Verfahren gegen ihn in Spanien. (APA)