Wien - Der Bestseller "Unsere Klestils", der bereits Gegenstand zivil- und medienrechtlicher Auseinandersetzungen zwischen Bundespräsident Thomas Klestil und dem Autor Ernst Hofbauer bzw. dem Iberia-Verlag ist, könnte für den Verfasser jetzt auch strafrechtliche Folgen haben. Wie Friedrich Matousek, der Leiter der Staatsanwaltschaft Wien, am Mittwoch auf Anfrage der APA bestätigte, möchte die Anklagebehörde gegen Hofbauer einen Strafantrag wegen übler Nachrede (Paragraf 111 Strafgesetzbuch) einbringen. Staatsanwalt Michael Klackl hat beim Studium des Buches eine Passage gefunden, die nach seinem Dafürhalten diesen Tatbestand erfüllt: Die darin aufgestellte Behauptung, Klestil habe vor der Auflösung seiner ersten Ehe seine spätere Frau Margot zu einer Abtreibung in den Niederlanden genötigt. Andere, von Hofbauer wieder ausgegrabene Gerüchte wie etwa Klestils angebliche Aids-Erkrankung haben für den Staatsanwalt dagegen kein strafrechtliches Gewicht. Sein entsprechender Vorhabensbericht wurde bereits im Justizministerium abgesegnet. Ob es tatsächlich zu einem Prozess gegen Hofbauer kommt, hängt nunmehr ausschließlich von Bundespräsident Klestil persönlich ab. Dieser müsste dazu eine so genannte Ermächtigung zur Strafverfolgung erteilen, um die die Staatsanwaltschaft Wien schon am 2. Juli schriftlich angesucht hat. "Bei uns ist diesbezüglich noch keine Entscheidung gefallen", verlautete dazu am Mittwoch auf Anfrage aus der Präsidentschaftskanzlei. Man werde vermutlich die zur Verfügung stehende 14 Tage-Frist ausnützen. Zuletzt hatte Klestil im Fall des Salzburger FP-Obmanns Karl Schnell eine solche Ermächtigung erteilt. Dieser hatte im November 2000 in einer Rede gemeint, die Bezeichnung "Lump" wäre für Klestil "eigentlich noch ein harmloser Ausdruck, weil so habe ich auch meinen Hund genannt". Schnell wurde in der Folge im Wiener Landesgericht wegen Beleidigung des Bundespräsidenten zu einer Geldstrafe von 100.000 Schilling (7.267 Euro) verurteilt. (APA)