Zagreb - Der kroatische Ministerpräsident Ivica Racan, der am Mittwoch nach einer Koalitionskrise neuerlich mit der Regierungsbildung beauftragt wurde, strebt eine zügige Reform seines Kabinetts an. Der Sozialdemokrat plant unter anderem eine umfassende Reform der Administration. Vorgesehen ist die Zusammenlegung mehrerer Ministerien, womit die Anzahl der Ministerämter von derzeit 19 auf 12 reduziert würde. Diese Einsparungen sollen nach Ansicht Racans auch dazu führen, dass das angestrebte Wirtschaftswachstum von sieben Prozent erreicht werden kann. Ivica Racan nennt seinen Plan daher auch "Projekt 107". Die wahrscheinlichen Koalitionspartner - HSS (Bauernpartei), HNS (Volkspartei) und LS (Liberale) - sehen das Vorhaben freilich mit Argwohn. Sie fürchten, dass sie Ämter und damit an Einfluss verlieren könnten. Der Regierungschef will nämlich beispielsweise das Ministerium für Tourismus und jenes für Klein- und Mittelbetriebe mit dem Wirtschaftsminsterium zusammenlegen. Das Ministerium für Klein- und Mittelbetriebe war nach dem Wahlsieg des aus ursprünglich sechs Parteien bestehende Mitte-Links-Bündnis im Jahr 200 lediglich deshalb geschaffen worden, um der HSS einen Ministerposten zu beschaffen. Weiters ist vorgesehen, die Ministerien für Bildung und Wissenschaft zu fusionieren und jene für Kriegsveteranen, Arbeit und Gesundheit zu vereinen. Das neu geschaffene Ressort für Infrastruktur soll die bisherigen Ministerien für den Öffentlichen Dienst und Transport unter ein Dach bringen. Sollte es Racan gelingen, seine Partner von der Notwendigkeit der Reformen zu überzeugen, dürften sich auch die Gespräche zur Regierungsumbildung kürzer gestalten als von vielen befürchtet. Im Jahr 2000 hatten die damals sechs Parteien ziemlich viel Zeit verbracht, um sich die vielen Ressorts aufzuteilen. Neu zu besetzen sind auf alle Fälle jene drei Ministerien, die bisher von den Sozialliberalen (HSLS) geführt wurde. Mit einer Reduktion könnte Racan auch Diskussionen über diese Nachbesetzungen vermeiden. (APA)