Wien - Die Entwicklung eines steuerlich geförderten Altersvorsorgeprodukts mit Österreichbezug ist einer der wesentlichsten Punkte eines Aktionsplans für den österreichischen Kapitalmarkt, dessen Grobkonzept der Kapitalmarktbeauftragte der Bundesregierung, Richard Schenz, am Mittwoch präsentierte.Ein solches Produkt könnte die Verpflichtung enthalten, dass ein bestimmter Anteil des investierten Geldes in österreichische Aktien angelegt werden muss. Dies wäre durchaus EU-konform, da auch andere Länder, wie Frankreich oder Luxemburg, ähnliche Regelungen erreicht hätten. Ein weiterer wichtiger Punkt des Aktionsplans ist die Schaffung eines österreichischen Corporate Governance Kodex (Wohlverhaltensregeln für Unternehmen), der bereits mit 1. Oktober dieses Jahres in Kraft treten soll. Der Ende April vorgelegte erste Entwurf dazu sei in der Zwischenzeit überarbeitet worden. Trotzdem seien noch eine weitere Straffung sowie klarere und härtere Formulierungen nötig. Proporzrelikte So stamme etwa der Begriff Vorstandssprecher noch aus der Zeit des Proporzes. Ein Vorstand sollte sich aus dem Vorsitzenden und den übrigen Mitgliedern zusammensetzen, verlangte Schenz. Für Aufsichtsräte wünscht sich der Kapitalmarktbeauftragte eine Begrenzung der konzernfremden Funktionen auf vier bis sechs. Außerdem sollte im Geschäftsbericht vermerkt sein, wie oft ein Aufsichtsrat bei den Sitzungen anwesend war. Auch die Höhe seiner Tantiemen sollte sich danach richten. Bei Unternehmen wünscht sich Schenz ebenfalls steuerlich Anreize für einen Börsengang. Derzeit suchten 57.000 Unternehmen einen Nachfolger. Wenn sich dieser Nachfolger innerhalb einer bestimmten Frist zu einem Börsengang entschließe, sollte ihm ein Teil der Erbschaftssteuer rückvergütet werden. Gemessen an der Wirtschaftsleistung des Landes befindet sich der Kapitalmarkt auf einem zu niedrigen Niveau, befand Schenz. (gb, DER STANDARD, Printausgabe 11.7.2002)