Kleinhaugsdorf - Dutyfree-König Ronald Seunig wollte erstmals 1999 ein Factory Outlet Center auf dem Streifen zwischen den beiden Grenzbalken im tschechischen Hate und im niederösterreichischen Kleinhaugsdorf errichten, gleich neben seinem Diskontmekka "Excalibur City". Im STANDARD-Gespräch sagte er dann vor drei Jahren: "Die Bagger rollen schon, Ostern 2000 wird eröffnet."Heute hat Seunig sein Factory-Outlet-Center noch immer nicht aufgestellt. Vielmehr hat er ein Grundstück an die britische Freeport plc verkauft, einen Betreiber von Outlet-Centern - sieben in Großbritannien und Schweden, weitere entstehen in Deutschland, Frankreich und Portugal. "Freeport plant, entwickelt, vermietet und betreibt immer selbst", so Marketingchef Simon Jobling zum STANDARD. Nachbar Seunig sei nicht mehr mit im Boot. Freeport investiert 42 Mio. EURO. Ab April 2003 sollen auf 22.400 Quadratmetern (doppelt so viele wie in Seunigs ursprünglicher Planung) Designerlabels in 97 Lokalen die Ware der Vorsaison zu günstigen Preisen anbieten. Am Mittwoch wurde offiziell der Spaten gestochen, im Beisein auch von Managern etwa des Sportgiganten Nike, was als Hinweis auf einen der künftigen Mieter zu sehen ist. Einen Mietvertrag unterschrieben hat bisher die Italo-Sportmodemarke Sergio Tacchini. Sonntag offen Dem Einzelhandel in Österreich Kopfzerbrechen bereiten wird vermutlich auch, dass das Factory-Outlet-Center auch am Sonntag offen haben wird, da der Standort den tschechischen Gesetzen unterliegt. Laut Jobling passieren jährlich neun Millionen Menschen die Grenze bei Kleinhaugsdorf/Hate, außerdem wurde ein Einzugsgebiet mit 3,8 Millionen Einwohnern abgezirkelt - inklusive Wien. In Österreich gibt es bisher ein Factory Outlet Center, und zwar das von BAA McArthurGlen mit Erfolg betriebene in Parndorf, eine halbe Autostunde südöstlich von Wien. Ein zweites ist in Leobersdorf (NÖ) in Planung - hier haben die Initiatoren um den Schweizer Martin Ebner (BZ Group) aber noch keine Details bekannt gegeben. Freeport hat auch schon eine Österreich-Tochter gegründet, was heißt, man sucht nach weiteren Möglichkeiten für FOCs - trotz riesiger Hürden für derartige Projekte in der Raumordnung. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe 11.7.2002)