Wien - Josef Kleindienst, Aufdecker und zugleich Beschuldigter in der so genannten Spitzelaffäre, hat beim Handelsgericht Wien eine Klage gegen Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F) eingebracht. Der ehemalige freiheitliche Polizeigewerkschafter wirft ihr Ehrenbeleidigung und Kreditschädigung vor. Riess-Passer hatte Ende April vor Journalisten in Salzburg gesagt, Kleindienst habe eine Diffamierung von Leuten betrieben, "weil er das nicht geworden ist, was er werden wollte". "Diese Aussagen sind nicht tolerabel", meinte Kleindienst.Stets die Wahrheit gesagt Im Zusammenhang mit der Spitzelaffäre habe er stets die Wahrheit gesagt: "Richtig ist daher, dass meine Aussagen wahr sind. Als Parteichefin muss Riess-Passer das auch wissen, denn die FPÖ hat gegen mich bis jetzt 23 Zivilklagen verloren und dafür die Kosten bezahlen müssen." Von seiner Seite habe es in Bezug auf die Partei "auch keine Karrierewünsche gegeben", betonte Kleindienst. Kein finanzielles Interesse An einer finanziellen Entschädigung für die inkriminierten Aussagen der Vizekanzlerin hat Kleindienst kein Interesse: "Mir geht es nur um einen Widerruf und dass sie zukünftig solche Statements unterlässt." Gerichtstermin Mitte September muss sich Kleindienst gemeinsam mit dem früheren Wiener FPÖ-Landesgeschäftsführer Michael Kreißl wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses vor Gericht verantworten. "Das ist alles, was von der Spitzelaffäre übrig geblieben ist. Sie wurde unter den Teppich gekehrt", sagt Kleindienst dazu. Er rechnet mit einem Freispruch, "weil die konkreten Anklagepunkte mit der Spitzelaffäre an sich nichts mehr zu tun haben". Plaudertasche Laut Strafantrag hat Kleindienst einen Verschlussbericht der Staatspolizei "betreffend Nuklearkriminalität in Österreich" an den Wiener FP-Obmann Hilmar Kabas "zwecks medialer Verwertung" weitergegeben. Außerdem soll er "Einsatztermine" der Operation Spring ausgeplaudert und den Freiheitlichen eine Kopie einer Anzeige gegen einen mutmaßlichen schwarzafrikanischen Drogendealer zugespielt haben. (APA)