Brüssel - Die Landwirtschaftspolitik Europas könne nicht mit etwas Kosmetik in Ordnung gebracht werden, sondern brauche ein "face-lifting", sagte Agrarkommissar Franz Fischler am Mittwoch Nachmittag vor dem Agrarausschuss des EU-Parlaments. Das heiße aber zugleich, dass "wir das Herz der Agrarpolitik nicht in Frage stellen". Europa müsse bereit sein, "Tabus zu brechen", statt die Bauern "mit Beruhigungspillen abzuspeisen". Die Reaktionen der Abgeordneten waren mehrheitlich positiv. Der Chef der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament, Hans-Gert Pöttering bezeichnete die Vorschläge als "Schritt in die richtige Richtung". Der deutsche Abgeordnete Lutz Goepel von der Europäischen Volkspartei warf Fischler hingegen vor, er habe "die Sau rausgelassen" mit Vorschlägen, die "wesentlich weiter gehen, als man auch nur ahnen konnte". Goepel kritisierte insbesondere die Deckelung der Förderungen mit 300.000 Euro. Kritische Äußerungen Fischlers über die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in Ostdeutschland seien für viele Deutsche, auch ihn selber, "verletzend" gewesen, sagte Goepel. "Viele, die ein Face-Lifting machen lassen, können anschließend nur mehr verkrampft lachen", griff Goepel Fischlers Vergleich auf. Der sozialdemokratische französische Abgeordnete Georges Garot signalisierte weitgehende Zustimmung, sowohl zur Modulation als auch zur Degressivität der Förderungen. Die Abkopplung der Förderungen von der Produktion werfe aber noch viele grundlegende Fragen auf, die zu klären seien. Auch in dieser Fraktion kritisierte der deutsche Abgeordnete Heinz Kindermann aus Mecklenburg-Vorpommern, dass die Kappung der Prämien bei 300.000 Euro "einseitig unsere deutschen Landwirte trifft". Auch die Freibeträge pro Arbeitskraft seien nicht ausreichend. Die französische Grüne Danielle Auroi, die sich "großteils für" die Vorschläge Fischlers aussprach. Vor allem die Kopplung der Förderungen an Umwelt- und Tierschutz entspreche Forderungen der Grünen. Aber auch die Modulation gefalle ihr gut. Probleme haben die Grünen mit der Abkoppelung der Förderung von der Produktion. Außerdem fordern die Grünen einen besseren Schutz der Bauern vor Importen, die unter weniger strikten Umweltgesetzen produziert wurden. (APA)