Ramallah/Jerusalem - Die palästinensische Führung sieht sich nicht in der Lage, die eingeleiteten - von Israel und den USA verlangten - Reformen zu verwirklichen, wenn Israel seine Besetzung von sieben der acht großen Städte im Westjordanland aufrecht erhält. "Es muss eine israelische Gegenleistung geben: die Aufhebung der Ausgehverbote und ein Ende der kollektiven Bestrafung der Palästinenser", sagte der palästinensische Informationsminister Yasser Abed Rabbo am Mittwoch vor Journalisten in Ramallah. Unter Okkupation seien die geplanten allgemeinen Wahlen Anfang nächsten Jahres nicht durchführbar. Die israelische Regierung hatte dagegen erklärt, die nach der Anschlagsserie im Juni erfolgte Wiederbesetzung palästinensischer Städte sei unbefristet. Mit dieser "Politik der eisernen Hand" sollen nach israelischen Angaben weitere Terroranschläge palästinensischer Extremisten verhindert werden. Außenminister Shimon Peres war am Dienstag mit palästinensischen Ministern, darunter dem neuen für die Sicherheitsorgane zuständigen Innenminister Abdel Razzek Yahia, zusammengetroffen. Beide Seiten hätten vereinbart, die Gespräche fortzusetzen, hieß es anschließend. Das neue palästinensische Grundgesetz war am Sonntag offiziell eingeführt worden. Es war im Mai vom Legislativrat gebilligt und von Präsident Yasser Arafat unterzeichnet worden. In dem Grundgesetz sind die parlamentarische Demokratie und die Gewaltenteilung verankert. Frauen und Männer haben gleiche Grundrechte und Freiheiten ohne jede Diskriminierung. Anders als in den Verfassungen anderer arabischer Staaten wird die Religion in dem palästinensischen Text nicht erwähnt. Ein Feuergefecht im Gaza-Streifen hat am Mittwoch die gerade wieder in Gang gekommenen israelisch-palästinensischen Gespräche auf Regierungsebene überschattet. Bei dem Angriff palästinensischer Kämpfer auf eine Militärpatrouille wurde ein israelischer Soldat verletzt, verlautete aus israelischen Militärkreisen. In Bekanntmachungen in mehreren Moscheen in Rafah im Gaza-Streifen erklärten die "Al-Aksa-Märtyrerbrigaden", sie seien für den Angriff verantwortlich. Die Gruppe ist aus radikalen Elementen der Fatah-Organisation von Präsident Arafat zusammengesetzt. (APA/AP)