Wien - Der Verkauf der bundeseigenen Wohnbaugesellschaften (Buwog, WAG, ESG Villach, WBG Wien und EBS Linz) mit insgesamt 60.000 Wohnungen an private Investoren wackelt. Ein Indiz dafür ist, dass das Finanzministerium die Bestellung einer Investmentbank, die den Verkauf vorbereiten sollte, verschob. Zumindest bei den beiden großen Gesellschaften Buwog und der Linzer WAG wird derzeit eine andere Lösung überlegt: Entweder werden beide von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) geschluckt, oder, was wahrscheinlicher ist, Buwog und WAG kaufen dem Bund die BIG ab. Finanzminister Grasser wäre damit das Problem los, dass die BIG bisher laut Eurostat nicht Maastricht-konform aus dem Bundesbesitz ausgegliedert wurde. Maastricht-konform Würden Buwog und WAG die BIG kaufen wäre dies Maastricht-konform, denn beide Gesellschaften machen mehr als die Hälfte ihres Gesamtgeschäfts nicht mit dem Bund. Eurostat hat die Ausgliederung der BIG als nicht Maastricht-konform akzeptiert, weil sie fast ausschließlich mit der Vermietung von Bundesgebäuden Geschäft macht. An der Barschaft dürfte es BIG und WAG nicht mangeln, da sie zusammen über Eigenmittel von über 290 Mio. EURO verfügen, die zwar in Wohnungen und Immobilien geparkt sind. Doch mit so einem Polster gibt jede Bank gerne Kredit. Daran ändert auch nichts, dass sich der Finanzminister heuer aus der Buwog 25 Mio. EURO holen dürfte. Gewinnverteilung Die Generalversammlung, bei der die Gewinnverteilung beschlossen wird, ist zwar erst Ende Juli, doch "aufgrund der Bilanzvorstellungen liegt der Schluss nahe, dass die Auflösung von Rücklagen in dieser Höhe angestrebt wird", heißt es. Im Vorjahr, als die Buwog noch eine gemeinnützige Gesellschaft war (seit April 2000 ist sie ein gewerblicher Bauträger), wurden lediglich 785.000 EURO abgeführt. Ob der Finanzminister bei der WAG tatsächlich die kolportierten 51 Mio. EURO für das Jahr 2001 herausnehmen will, wird offiziell nicht bestätigt. Die Generalversammlung findet bei der WAG erst Anfang August statt und vorher, so heißt es, sei nichts bekannt. Auf großteils erboste Mieter stoßen die Verantwortlichen der Buwog derzeit beim Verkauf der Wohnungen an die Mieter. Den Mietern ist der Fixpreis, den die Buwog für ihre Wohnungen haben möchte zu hoch. So verlangt die Buwog für ein Wohnhaus im 18. Wiener Bezirk in Ruhelage, 1380 EURO/m². Für Wohnungen in der Peter Jordan-Straße (19. Bezirk), ein 30-jähriges Haus in absoluter Ruhelage werden 1598 EURO/m² gefordert. Doch die Mieter der mit hohen Wohnbaufördermitteln errichteten Wohnungen finden lediglich einen Preis von von knapp 440 Euro/m² angebracht. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 11.7.2002)