Wien - Nur knapp mehr als die Hälfte aller Ehen in Österreich halten. Laut neuester Scheidungsstatistik lösten im Vorjahr 46 Prozent eines durchschnittlichen Heiratsjahrganges den Bund fürs Leben vorzeitig auf - ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber dem Jahr 2000. Seit 1998 ist die Zahl um 15 Prozent gestiegen.Von der Trennung ihrer Eltern waren 19.000 minderjährige Kinder betroffen. Die höchste Gesamtscheidungsrate gibt es in Wien, wo nur mehr vier von zehn Ehen halten. Bloß in Salzburg ging die Zahl der Scheidungen zurück. Der Wiener Rechtsanwalt Michael Witt, spezialisiert auf Familienrecht, sieht einen Zusammenhang zwischen steigenden Scheidungszahlen und gesellschaftspolitischen Veränderungen. "Viele wollen lieber Lebensabschnittspartnerschaften", o Witt. Außerdem gebe es unter Heiratswilligen immer noch eklatante Unwissenheit über die rechtlichen Folgen einer Eheschließung. (simo/DER STANDARD, Printausgabe 11.07.2002)