Sie schlafen miteinander - für sie das "erste Mal". Sicher, ob "er" der Richtige war, ist "sie" sich nachher nicht - so erzählt sie es auch ihrer Mutter. Die aber kriegt einen Schreck: "Du bist ja noch ein Kind!"Bisher konnte eine solche Dutzendgeschichte höchstens zu zwischenmenschlichen Zerwürfnissen führen. Vor dem Strafgesetz galt die Beziehung als legal, da das Mädchen zum Zeitpunkt des Sexualverkehrs über 14 Jahre alt war. Der neue Strafrechtsparagraf 207b aber verändert die Situation. Nunmehr wird bestraft, wer - unter anderem - die "sexuelle Unreife" einer (oder eines) unter 16-Jährigen sexuell ausnützt. Sollten Polizei und Justiz also von der verunglückten Beziehung erfahren - durch Eltern, Lehrer oder auch, wie in den Verfahren nach dem Schwulen-Mindestalter häufig, durch "vertrauliche Hinweise" - müssen (der Paragraf 207b definiert Offizialdelikte, während vergleichbare Delikte in anderen EU-Staaten großteils nur auf Antrag hin verfolgt werden) die Behörden tätig werden. Einvernahmen, Gutachten Für "Täter" und "Zeugin" im obigen "Fall" bedeutet das: Sie werden mehrfach einvernommen. Sollte sich der Verdacht gegen "ihn" erhärten, wird ein Sachverständigengutachten über den Stand "ihrer" sexuellen (Un)reife eingeholt. Um sie unter anderem, so die gesetzlichen Erläuterungen, von "Geisteskrankheit, Schwachsinn, tiefgreifender Bewusstseinsstörung" abzugrenzen - ein für das junge Mädchen wahrscheinlich einschneidendes Erlebnis. Er ist 18, sein Partner 14 Jahre alt Eine ganz junge schwule Liebe. Bisher, unter dem Schwulenmindestalter nach Paragraf 209 StGB, war sie erlaubt (der "209er" stellte sexuelle Handlungen über 19-jähriger zu 14- bis 18-jährigen Männern unter Strafe). Nun ist das nicht mehr eindeutig so. Vielmehr kommen zusätzliche Kriterien (siehe oben) zum Tragen, die - so befürchten Kritiker - vor allem unkonventionelle Beziehungen vor Gericht bringen könnten. Zumal von den Machern des neuen, im europäischen Vergleich zu den strengsten gehörenden Gesetzes eines nicht festgelegt worden ist. Nämlich, ob bei dessen Anwendung dieselben Alterstoleranzregeln gelten wie bei bisherigen Verfahren nach dem 14-Jahre-Schutzalter laut Paragraf 207. Toleriert wird da penetrativer Sex mit - Untergrenze - 13-Jährigen, wenn der Bettpartner höchstens drei Jahre, nicht penetrative Praktiken (Petting), wenn er höchstens vier Jahre älter war. Sollte das bei Paragraf 207b anders gehandhabt werden - etliche Teenagerpaare würden zusätzlich unter Verdacht geraten. (bri - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 11.7.2002)