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Ausgetrocknete Flüsse ...

Foto: APA/ Tom Mihalek
Rom - In ganz Süditalien herrscht seit Wochen extremer Wassermangel. Grund des Desasters: die Hitzewelle vor dem Sommerbeginn, von der ganz Europa betroffen war. Während sich aber in Norditalien die Situation entschärft hat, wartet der Süden immer noch auf den von den Meteorologen versprochenen Regen. "Die Tiere verenden uns, wir können unsere nicht Felder bewässern", klagen die Bauern Apuliens. Sie fordern, dass der Staat eingreift. Auf Sizilien herrscht Ausnahmezustand: Das Wasser fließt - wenn überhaupt - nur stündlich aus den Wasserhähnen. Die Zollbehörde hat erst kürzlich erneut zehn Personen festgenommen, die Brunnen regelrecht besetzt und Wasser verkauft haben; um 27 Euro pro Liter, heißt es. Die Sizilianer sind außer sich: Es geht ums Überleben, sie sind der Willkür der Wasser-Mafia machtlos ausgeliefert. Leere Versprechungen Die Politiker versprechen zwar Wasser für alle, gehalten haben sie aber bisher nichts. Siziliens Ministerpräsident Toto Cuffaro hatte für Mai Schiffe versprochen, die in der Sekunde mehr als 100 Liter Meerwasser in Trinkwasser verwandeln können. Es kamen aber keine Schiffe. Abgeordnete der linksliberalen Partei Margherita haben schon Cuffaros Rücktritt verlangt. Die Regierung in Rom ist es leid, Geld für die Wassergewinnung auf Sizilien bereitzustellen, das in dunklen Kanälen verschwindet. Einem Bericht der Tageszeitung La Repubblica zufolge sind in den vergangenen 15 Jahren schon mehr als 10.000 Milliarden Lire (5,16 Milliarden Euro) in die Realisierung der so genannten Wassergewinnungsprojekte geflossen. Leere Stauseen Dennoch gibt es auf Sizilien immer noch ausgetrocknete Stauseen und löchrige Aquädukte. Schuld an dieser Misere sind für Ministerpräsident Silvio Berlusconi die Linksliberalen, die vor ihm die Regierung stellten. Noch in seinem Wahlkampf hatte Berlusconi 2600 Milliarden Lire (1,34 Milliarden Euro) für die langfristige Bekämpfung des Wassermangels auf Sizilien versprochen. "Dieses Geld wird ausgegeben, wenn wir mit der Arbeit beginnen können", sagte Berlusconi. Auf Sizilien herrscht immer noch der Notstand: Sogar die Wassertanks der Feuerwehr sind mittlerweile leer. (Alexandra Barone/DER STANDARD, Printausgabe 11.07.2002)