Der deutsche Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat den Schriftsteller Martin Walser und seinen Roman "Tod eines Kritikers" erneut scharf angegriffen. In seiner Dankesrede zur Verleihung des Ehrendoktorats der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität sagte Reich-Ranicki am Mittwochabend: "Das ist ein Buch, das gegen die Juden hetzt". Es folge teilweise dem Vorbild des Nazi-Kampfblattes "Der Stürmer". "Ich bin erfüllt von Trauer und Angst um dieses Land, dessen Bürger ich bin. Solch ein Buch ist nach 1945 in deutscher Sprache noch nicht veröffentlicht worden." "Deutsche Mordphantasie" Reich-Ranicki bezeichnete Walsers Werk als "deutsche Mordphantasie". Der Roman "Tod eines Kritikers" hatte bereits in den vergangenen Wochen für heftige Diskussionen gesorgt. In dem Buch entwirft Walser das kritische Porträt eines jüdischen Literaturkritikers, der Reich-Ranicki stark ähnelt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte einen Vorabdruck des Werkes abgelehnt. Zahlreiche Rezensenten kritisieren das Buch als antisemitisch, praktische alle beurteilen es als misslungen und schlecht. (APA)