Sarajewo - Mit einem verstärkten Polizeischutz haben sich die Behörden in der bosnischen Serbenrepublik am Donnerstag auf eine Trauerfeier Tausender moslemischer Bosniaken zu Ehren der Opfer der Massaker von Srebrenica vorbereitet. Nach offiziellen Angaben wurden in dem heute von Serben kontrollierten Gebiet im Osten von Bosnien am Donnerstagmorgen mehr als 2000 Polizisten stationiert. Mehr als 100 Busse sollen Trauergäste in die Ortschaft Potocari bei Srebrenica bringen, wo der Grundstein für ein künftiges Gedenkzentrum liegt, hatte die UNO-Mission in Sarajewo mitgeteilt. Zu den Veranstaltungen werden auch zwei Gruppen von Kriegsgegnern aus Serbien und Montenegro erwartet. Die vor sieben Jahren von serbischen Einheiten verübten Massaker gelten als das schwerste Verbrechen im Bosnien-Krieg und als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa seit des Ende des Zweiten Weltkrieges. Der frühere Serbenführer Radovan Karadzic und sein Militärchef Ratko Mladic wurden deswegen 1995 vom Haager UNO-Kriegsverbrechertribunal wegen Völkermordes angeklagt. Nach Ermittlungen wurden in Srebrenica etwa 8000 moslemische Männer im Alter von 14 bis 70 Jahren ermordet. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat zu einer schnellen und unbürokratischen Hilfe für rückkehrende Flüchtlinge im Distrikt Srebrenica aufgerufen. Die ersten 1700 Rückkehrer in die ehemalige UNO-"Schutzzone" lebten in trostlosem Elend, berichtete die Organisation am Mittwoch. Die internationalen Hilfswerke seien nun gefragt, denn rund 12.000 Flüchtlinge hätten sich zur Rückkehr gemeldet. Die Situation in den Dörfern aber auch in der Stadt sei bisher erbärmlich, so die GfbV. Zwar hätten die USA vor kurzem umgerechnet rund 12,5 Millionen Euro Wiederaufbau- und Wirtschaftshilfe zugesagt. An Ort und Stelle sei jedoch kaum etwas passiert. Bisher sei weder das Straßen- noch das Strom- oder Wasserleitungsnetz wiederhergestellt. Von 5000 zerstörten Häusern seien erst 191 wieder aufgebaut. Selbst in der Stadt Srebrenica gebe es nur einen Trinkwasserbrunnen. (APA/dpa/AP)