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Barcelona - Für die Wirksamkeit von so genannten antiretroviralen Medikamenten zur Behandlung von HIV-Infizierten ist die regelmäßige Verabreichung entscheidend. Wenn die Einnahme um nur fünf Prozent abweicht, erreicht laut Franz Peter Kessler, Leiter der Geschäftseinheit HIV/Virologie bei dem US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb, lediglich die Hälfte der Patienten das Therapieziel - nämlich die Reduktion der Viruslast unter die Nachweisgrenze. Um die Anzahl der Tabletten bei der Therapie zu verringern, wurden in den vergangenen Jahren einige so genannte Once-Dailys (Substanzen zur einmaligen Gabe) zugelassen. Bristol-Myers Squibb will bald drei neue dieser "Once-Dailys" auf den Markt bringen. "Unser Unternehmen verfolgt das Ziel, alle Substanzklassen als Einmaldosierung anzubieten und so die Lebensqualität der Patienten zu verbessern", sagte Kessler. Im Herbst 2002 werden mit "Zerit" und "Sustiva" zwei neue Reverse-Transkriptase-Hemmer am Markt sein. Mitte 2003 wird dann der erste Protease-Inhibitor zur einmal täglichen Gabe erhältlich sein. Überforderung "Bei der Fülle von Medikamenten sind bisher viele Patienten daran gescheitert", sagte der deutsche Allgemeinmediner Dr. Jörg Gölz, der in Berlin eine HIV/Aids-Schwerpunktpraxis führt. "Hinzu kam, dass es komplexe Vorschriften für die Einnahme in Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme gab. Vor dem Essen, nach dem Essen, zwischendurch und so weiter", so Gölz. 1996 habe die antiretrovirale Therapie mit zehn bis 24 Tabletten und Kapseln täglich begonnen. "Und diese mussten an drei oder mehr Zeitpunkten des Tages eingenommen werden", erklärte der Mediziner. "Die HAART-Therapie (highly active antiretroviral therapy, Anm.) verzeiht da keine Einnahme-Fehler. Nur die geringste Abweichung bringt eine deutliche Reduktion der Wirksamkeit", sagte Kessler. Deshalb sei das Ziel für eine erfolgreiche Therapie die Tabletten und die Einnahmezeitpunkte zu reduzieren sowie die Halbwertszeiten zu verlängern. "Noch offene Fragen und mögliche Probleme bezüglich der neuen 'Once Daily'-Medikamente wird jetzt wahrscheinlich die Erfahrung damit zeigen", meinte Gölz. Besonders in Ländern wie Afrika oder in der Karibik seien solche "Once Dailys" für den Therapie-Erfolg enorm wichtig, so Gölz. "Viele glauben da ja nicht einmal, dass es Aids gibt. Und wenn, dann haben sie das gute Aids und nicht das böse", erzählte der Arzt. Oft würden diese Menschen nicht zum Arzt, sondern zum Heiler gehen. "Da bestehen oft religiöse Grenzen, durch die kommt man mit 20 Tabletten am Tag nicht durch", meinte Gölz. (APA)